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Blutspende im Wandel der Zeit

22.10.2015

Benjamin Albrecht

Aus der modernen Schulmedizin ist der Einsatz von Produkten aus Blutbestandteilen kaum mehr wegzudenken. Ganz gleich, ob Tumor, Herz-Kreislauf-Erkrankung oder schwere Verletzungen nach einem Verkehrsunfall: Der Einsatz von Blutpräparaten ist in vielen Fällen medizinisch sinnvoll, nötig und für Patienten nicht selten lebensrettend.

Dank des flächendeckenden Einsatzes der Blutspendedienste des Deutschen Roten Kreuzes stehen Blutpräparate heute deutschlandweit scheinbar selbstverständlich zur Verfügung. Die Tatsache, dass diese Verfügbarkeit Grenzen kennt und unmittelbar von der Bereitschaft zehntausender Menschen zur unentgeltlichen Blutspende beim Roten Kreuz abhängig ist, wird dabei allzu leicht vergessen. Dieser Blog-Beitrag wird sich daher im Rahmen einer kleinen Einführung mit der geschichtlichen Entwicklung der Transfusionsmedizin befassen und abschließend einen Blick auf die Verwendungsmöglichkeiten der einzelnen Blutbestandteile werfen. Dabei soll die immense Bedeutung der Blutspende als gesamtgesellschaftliche Aufgabe in den Mittelpunkt gestellt werden.

Die geschichtliche Entwicklung der Blutspende

Die erste von den Geschichtsschreibern festgehaltene Bluttransfusion fand im Jahr 1492 statt. Im Sterben liegend bekam der greise Papst Innozenz VIII. das Blut von drei jungen Knaben zu trinken. Der Pontifex erhoffte sich davon eine Verjüngung, vielleicht sogar die Heilung seiner Gebrechen. Es kam, was kommen musste: Die drei Knaben überlebten das skurrile Experiment nicht und auch der Bischof von Rom verstarb kurz darauf. Eine Geschichte, die uns heute noch einen kalten Schauer über den Rücken laufen lässt. Erfolgreicher war dann schon die erste dokumentierte Direkttransfusion von Mensch zu Mensch, die Anfang des 19. Jahrhunderts erfolgte.

Doch es sollte noch einige Zeit dauern, bis es auf dem Gebiet der Transfusionsmedizin und der Erforschung des menschlichen Bluts wirklich nennenswerte Erfolge zu vermelden galt. Im Jahr 1900 war es der Wiener Mediziner Karl Landsteiner, der durch die Entdeckung des Blutgruppensystems maßgebliche Fortschritte auf diesem Gebiet machte. Nun ging es vergleichsweise zügig voran: 1914 gelang es erstmals, Blut „haltbar“ zu machen, also die Gerinnung zu verhindern, was 1919 zur Gründung der weltweit ersten Blutbank in den Vereinigten Staaten führte. 1940 entdeckte wiederum Karl Landsteiner den so genannten Rhesusfaktor. Die Fraktionierung, also die Aufteilung des Blutes in seine einzelnen Bestandteile, war ab 1941 möglich.

Viel Zeit ist vergangen, seit Pioniere wie Landsteiner sich intensiv und erfolgreich mit der Beschaffenheit des menschlichen Blutes befassten. Im ersten Jahrzehnt nach dem Zweiten Weltkrieg zeichnete sich die Notwendigkeit der Durchführung von Blutspendeterminen ab, um den landesweit steigenden Bedarf von Blutkonserven bedienen zu können. Das Rote Kreuz erhielt in diesem Kontext den Auftrag der Landesregierungen zur flächendeckenden Versorgung von Kliniken und Arztpraxen mit Blutpräparaten. Ein Auftrag, der bis heute gilt und dem der Blutspendedienst des Roten Kreuz nach wie vor verpflichtet ist.

Am 29. Februar 1952 organisierte der frisch gegründete DRK-Blutspendedienst Nordrhein-Westfalen den ersten Blutspendetermin in Gelsenkirchen. Im Jahr 1953 fand dann der erste Blutspendetermin des Deutschen Roten Kreuzes im noch jungen Bundesland Rheinland-Pfalz statt. Dieser Termin im damaligen Regierungsbezirk Trier gilt als die Geburtsstunde des heutigen DRK-Blutspendedienstes Rheinland-Pfalz und Saarland, einer Tochtergesellschaft des DRK-Blutspendedienstes West.

Mit rund 44 Prozent aller eingesetzten Konserven wird heute das meiste Blut für die Behandlung von Tumor- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen benötigt. Doch auch erhebliche Blutverluste während Operationen, bspw. im Bereich der Transplantationsmedizin, anderweitige Verletzungen, Vergiftungen und auch Erkrankungen, bspw. des Verdauungssystems oder des Muskel- oder Bindegewebes können eine Bluttransfusion notwendig machen.

Täglich benötigt allein der Blutspendedienst West rund 3.000 Blutkonserven, um eine flächendeckende Versorgung der Bundesländer Rheinland-Pfalz, Saarland und Nordrhein-Westfalen mit Blutpräparaten gewährleisten zu können. Um diesem immensen Bedarf gerecht werden zu können, sind die Blutspendedienste des Deutschen Roten Kreuzes auf die Bereitschaft der Bevölkerung zur unentgeltlichen Blutspende angewiesen. Gegenwärtig spenden jedoch nur rund drei Prozent der Bevölkerung im Einzugsbereich des Blutspendedienstes West regelmäßig Blut.

Damit es in Anbetracht des demografischen Wandels in Zukunft nicht zu schwerwiegenden Versorgungsengpässen kommt, ist es gerade eine Herausforderung für die Gegenwart, eine große Zahl junger Menschen als „Erstspender“ zu gewinnen und somit für die Thematik der Blutspende zu sensibilisieren. Diese Herausforderung zu meistern heißt, die Blutspende als gesamtgesellschaftliche Aufgabe immer wieder in das Bewusstsein der Menschen zu bringen. Nur wenn es dem Blutspendedienst in enger Zusammenarbeit mit dem Ehrenamt gelingt, heute genügend junge Erwachsene anzusprechen, kann die Versorgung mit Blutprodukten auch in Zukunft sichergestellt werden, so wie es dem Versorgungsauftrag des Roten Kreuzes entspricht.

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