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Ein ganzes Land und sieben Blutspendetermine - im Jahr!

04.09.2015

Benjamin Albrecht

Unsere Reise zu verschiedenen, nationalen Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften geht weiter. Heute führt sie uns in ein Land, das mit rund 37.000 Einwohnern das sechstkleinste Land unserer Erde ist. Gleichzeitig handelt es sich bei diesem Zwergstaat um das letzte deutschsprachige Fürstentum der Welt.

Liechtenstein liegt malerisch in den Höhen der Alpen, umgeben von den Schweizer Kantonen St. Gallen und Graubünden sowie dem österreichischen Bundesland Vorarlberg, wobei die Landesgrenze zur Schweiz vom Rhein markiert wird, der hier  jung und ursprünglich, noch nichts von der Größe und Dynamik erahnen lässt, die er in seinem weiteren Verlauf annehmen wird.

Gegründet wurde das „Liechtensteinische Rote Kreuz“ (LRK) am 30. April 1945 auf Initiative der damaligen Fürstin Georgina (Gina) von und zu Liechtenstein. Somit blickt das Rote Kreuz in Liechtenstein in diesem Jahr auf eine insgesamt 70-jährige Erfolgsgeschichte zurück, die wir näher betrachten möchten. Ausschlaggebend für die Gründung einer eigenen, nationalen Rotkreuzgesellschaft im Fürstentum war das große Elend der Flüchtlinge an der österreichisch-liechtensteinischen Grenze in Schaanwald. Hier suchten Tausende Menschen Schutz und Hilfe vor den Wirren des Krieges. Allein am ersten Tag nach der Gründung des LRK, dem 1. Mai 1945, registrierte man hier über 1.000 Flüchtlinge. Es sollten noch über 7.000 weitere Menschen hinzukommen, die hier um Hilfe ersuchten. Eine beachtliche Zahl, wenn man bedenkt, dass das gesamte Fürstentum in jener Zeit nur rund 12.000 Einwohner zählte.

Die Akzeptanz des Liechtensteinischen Roten Kreuzes in der Bevölkerung war von Anbeginn seiner Tätigkeit groß. Schon im ersten Jahr verzeichnete das LRK rund 1.200 Mitglieder, also gut zehn Prozent der damaligen Einwohnerzahl. Bereits am 22. Juni des Gründungsjahres wurde das LRK vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) in Genf als nationale Rotkreuzgesellschaft des Fürstentums Liechtenstein anerkannt und in die damalige Liga der Rotkreuz-Gesellschaften, die heutige Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften aufgenommen.

Eine der wichtigsten Aufgaben des Roten Kreuzes in Liechtenstein ist der Rettungsdienst. Bereits 1955 konnte das LRK ein erstes Rettungsfahrzeug beschaffen. 1972 konnten dann erstmals vier hauptamtliche Rettungsdienstmitarbeiter eingestellt werden, denen zwei Einsatzfahrzeuge zur Verfügung standen. Unterstützt wurde das hauptamtliche Personal durch ehrenamtliche Helferinnen und Helfer der in Liechtenstein weit verbreiteten Samaritervereine. Seit der Indienststellung des Rettungsdienstes im Jahr 1972 haben die Rotkreuzler im Fürstentum Liechtenstein mehr als 40.000 Einsätze absolviert und dabei eine Strecke von rund 1,4 Millionen Kilometern zurückgelegt - 35 Mal um den Äquator.  

Wie in vielen Ländern der Welt, so ist auch in Liechtenstein der Blutspendedienst eine wichtige Aufgabe des Roten Kreuzes. 1953 konnte erstmals ein Blutspendetermin im Fürstentum durchgeführt werden. Durchgeführt wurde der Spendetermin seinerzeit vom Schweizerischen Roten Kreuz, es erschienen insgesamt 273 Spenderinnen und Spender. Heute finden jährlich sieben Blutspendetermine in Liechtenstein statt, die in enger Zusammenarbeit zwischen den bereits genannten Samaritervereinen und dem Österreichischen Roten Kreuz durchgeführt werden. Das Rote Kreuz im österreichischen Feldkirch ist auch für die Versorgung Liechtensteins mit Blutpräparaten verantwortlich. Wöchentlich werden im österreichischen Bundesland Vorarlberg und im Fürstentum Liechtenstein rund 250 Blutkonserven benötigt.

Seit Mai 2015 ist Erbprinzessin Sophie von Liechtenstein, Herzogin in Bayern, amtierende Präsidentin des Roten Kreuzes in Liechtenstein. Sie folgt damit auf ihre Schwiegermutter, Fürstin Marie, die das Amt 1985 von der Gründungspräsidentin, Fürstin Gina, übernommen hatte.

Das Foto zeigt Schloss Vaduz, das Residenzschloss der Fürsten von Liechtenstein. (Foto: B. Greschner)

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