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Mehr Fragen, mehr Sicherheit: Der neue Spenderfragebogen kommt!

10.10.2017

Gregor Fischer

Ab dem 16.10. ist es soweit: Der neue Spenderfragebogen kommt bei offiziell bei allen Blutspendeterminen des DRK Blutspendedienstes West zum Einsatz. Blutspender müssen sich auf ein Mehr an Fragen gefasst machen - dafür sorgt der neue Fragebogen auch für ein Mehr an Sicherheit! Warum es einen neuen Fragebogen gibt, wozu er gut ist und was sich für unsere Blutspender verändert, haben wir in einem FAQ zusammengefasst.

Update: Eine kommentierte Version des neuen Fragebogens sowie eine Muster-Version des überarbeiteten und des alten Fragebogens finden Sie hier!

 

Warum ein neuer Spenderfragebogen?
Der neue Fragebogen soll die Sicherheit weiter verbessern. Durch klare und verständliche Formulierungen, die Nutzung nicht-medizinischer Sprache und kurzer Sätze sowie eine klare Gliederung mit gruppierten Fragen soll der Bogen besser verständlich sein. Außerdem soll künftig jeder Spender in Deutschland – unabhängig von seinem Wohn- und Spendeort – den gleichen Fragebogen bekommen. In 2011/2012 wurde ein erster Entwurf dieses Fragebogens bundesweit bei über 260.000 Spendern getestet und mit dem jeweils eingesetzten alten Fragebogen verglichen. Im Ergebnis wurde der neue Fragebogen als verständlicher, vor allem aber als sicherer bewertet, und zwar sowohl für die Patienten, die mit Blutspenden behandelt werden müssen als auch für die Spendewilligen.

Wer hat sich diesen Fragebogen ausgedacht?
Der Fragebogen ist kein Fragebogen des Blutspendedienstes West oder des DRK. Er wurde vom Arbeitskreis Blut am Bundesgesundheitsministerium initiiert und schon 2010 zum bundesweiten Einsatz empfohlen. Generell muss jeder Blutspenderfragebogen, der in Deutschland eingesetzt wird (derzeit sind dies viele verschiedene!), dem Paul-Ehrlich-Institut vorgelegt und von dieser Behörde für den Einsatz freigegeben werden.
 
Warum diese intimen Fragen zu meinem Sexualleben? Das geht niemanden etwas an!
Wir wollen keinem Spender zu nahe treten, aber Infektionskrankheiten wie AIDS oder Hepatitis werden vor allem durch Sexualkontakte übertragen und auch Blutspender können sich auf diesem Wege angesteckt haben. Natürlich werden alle Blutkonserven getestet, eine sehr frische Infektion kann aber in manchen Fällen noch nicht nachgewiesen werden. Daher ist es wichtig, zusätzlich zur Testung, auch nach Infektionsrisiken zu fragen. Bitte bedenken Sie: Rein rechnerisch wird jeder zweite Mensch im Laufe seines Lebens eine Bluttransfusion benötigen. Sollte dies bei Ihnen oder einem nahen Angehörigen der Fall sein, werden Sie zu Recht erwarten, dass der entsprechende Spender ebenso sorgfältig und unmissverständlich befragt wurde wie Sie.
 
Warum werden überhaupt noch solche Fragen gestellt? Mein Blut wird doch getestet!
Das ist korrekt! Allerdings kann auch durch die zuverlässigste Labortestung keine 100%ige Sicherheit erreicht werden. Gerade nach sehr frischen Infektionen vergeht immer eine gewisse Zeit, bis die Infektion im Labor nachweisbar ist. Labortestung und Spenderbefragung ergänzen sich also, mit beiden Methoden zusammen ist die Sicherheit am höchsten!
 
Warum ist der Fragebogen so umfangreich? Das sind ja jetzt 4 Seiten!
Wenn Sie diesen Fragebogen einmal aufmerksam mit dem alten vergleichen, werden Sie feststellen, dass inhaltlich kaum etwas „hinzugekommen“ ist. Durch die einfachere Gliederung sind u. a. lediglich Inhalte aus einzelnen „alten“ Fragen in „neue“ Fragen aufgeteilt. Endlose Auflistungen wie in mancher „alten“ Frage gibt es nun nicht mehr – übrigens eines der Hauptziele des neuen Fragebogens, denn Auflistungen verleiten immer dazu, dass nur die Einleitung, nicht aber jeder einzelne Aufzählungspunkt gelesen und bewertet wird. Übrigens: Die Lesbarkeit ist durch die neue Gestaltung, u.a. mit einer größeren Schrift, entscheidend verbessert worden – was besonders ältere Spender ausdrücklich begrüßen!
 
Was ist eigentlich mit dem Datenschutz? Kann ich dem Roten Kreuz meine Angaben in dieser Form ohne Bedenken anvertrauen?
Ja natürlich! Unsere Mitarbeiter organisieren die Arbeitsabläufe vor Ort mit besonderem Augenmerk auf die Diskretion. Sie selbst sorgen zudem durch einen bewussten Umgang mit Ihrem Fragebogen für die notwendige Wahrung der Vertraulichkeit. Ihr Fragebogen selbst unterliegt den umfassenden rechtlichen Vorgaben, die sich aus dem Arzneimittelgesetz, dem Transfusionsgesetz und dem Bundesdatenschutzgesetz ergeben. Die Einhaltung dieser Vorgaben wird zudem in regelmäßigen Abständen durch die Aufsichtsbehörden der Länder überprüft!
 
Warum muss ich als Wiederholspender jedes Mal diesen kompletten umfangreichen Fragebogen ausfüllen? Würde für mich nicht eine kürzere Fassung reichen? Sie haben doch schon viele Informationen über mich und ich habe diese Fragen doch schon beim letzten Mal beantwortet!
Eine Frage, die uns oft gestellt wird! Der Grund hierfür ist, dass sich natürlich zwischen einzelnen Spenden die gesundheitlichen Aspekte des Einzelnen verändert haben können. Würden einzelne Fragen nicht mehr gestellt, müssten Spendewillige selbst verantworten, ob sie vielleicht einzelne, womöglich wichtige Angaben „vergessen“ haben. In welchen Abständen dann wieder die kompletten Fragen neu gestellt werden müssten, ließe sich zudem kaum entscheiden – ändert sich bei manchen jahrelang nichts, bei anderen hingegen ständig etwas! Außerdem kommen unsere Spender oft in völlig unterschiedlichen Abständen. Manche 4 x pro Jahr, manche nur alle 2 Jahre!

BILDER ZUM BEITRAG

KOMMENTARE ZUM BEITRAG

Frank N. Stein 27.12.2017, 19:55 Uhr

Man kann sich über die Fragen aufregen, allerdings nur, wenn man den alten Fragebogen nicht gelesen hat. Die Fragen mögen ein bisschen differenzierter sein, verraten aber sicher kaum mehr intime Details als vorher - es scheint mir, dass man den alten nicht so richtig akribisch gelesen hart, wenn einem das alles jetzt erst auffällt. Persönlich halte ich allerdings schon seit dem alten Fragebogen nur sehr wenig von den Sexleben-Fragen, weil sie doch immer noch sehr von alten Stereotypen geprägt sind. Die meisten Homosexuellen, die ich kenne leben inzwischen in langjährigen Beziehungen und sind erheblich weniger gefährdet als viele Heterosexuelle.
Und im Zweifel kann man übrigens immer schummeln. Wovon ich natürlich abrate, aber die Kontrolle dürfte doch recht schwerfallen.

D.M. 27.12.2017, 12:42 Uhr

Zitat aus einem Presseartikel:
(...) Besonders bedrückend ist der letzte Spendentermin des Jahres im November gewesen. Es kamen nur 98 Personen, die Blut spenden wollten. Bei neun Rückstellungen konnten nur 89 Konserven entnommen werden. Es war der schlechteste Blutspendetermin in der 55-jährigen Geschichte des Blutspendens in Rhens. Noch nie kamen weniger Besucher und noch nie wurden so wenige Blutkonserven entnommen. Beim DRK Rhens blicken die Verantwortlichen mit Sorge auf den ersten Blutspendetermin 2018. Bleibt die Besucherzahl so niedrig? Liegt der Rückgang an den neuen gesetzlichen Vorschriften? Seit Mitte des Jahres ist für jeden Spender die Vorlage des Personalausweises Pflicht, und mit dem neuen Spenderfragebogen hat sich auch noch nicht jeder Spender angefreundet."
Quelle: http://www.blick-aktuell.de/Berichte/Ein-Auf-und-Ab-der-Spenderzahlen-304972.html

Bernd Avermiddig 23.12.2017, 09:33 Uhr

Hallo, am 22.12. habe ich zum 100. mal Blut gespendet. Beim ersten Lesen des neuen Fragebogens wollte ich eigentlich sofort wieder gehen ( was auch mehrere Spender taten). Beim Arzt Gespräch habe ich diesen auf den Fragebogen angesprochen und ihm meine Verärgerung mitgeteilt. Die Begründung, dass es die Sicherheit erhöhen soll, kann ich nicht teilen. Am Ende des Tages basiert die Blutspende doch auf ein gewisses Vertrauen, da helfen auch noch so aufwändige Fragebögen nicht. Ich befürchte einen erheblichen Rückgang an Spendern, sollte der Fragebogen in dieser Form beibehalten werden. Ich selber werde so jedenfalls nicht wieder spenden.

Valerius 22.12.2017, 13:04 Uhr

Ich gehe am 23.01.2018 zum 150igsten Mal Blutspenden. Ich frage mich ernsthaft was an diesem Fragebogen zu bemängeln ist. Beim ersten Mal eines jeden neuen Fragebogen benötigt man etwas länger. Spätesten beim dritten Mal geht das Ausfüllen fließender von Hand. Und wer sich über manche Fragen, z.B. 10 oder 16 aufregt, man könnte ja mal selbst zu einem Patient werden, eine Bluttransfusion dringend benötige, da möchte man ja auch wissen dass dieses gespendete Blut Okay ist und sorgfältig analysiert und geprüft wurde.

BSD West 22.12.2017, 11:38 Uhr

Sehr geehrter D.M.,

wir bedauern, dass die Erläuterungen zum neuen Spenderfragebogen Sie nicht überzeugen und bedanken uns für Ihr geleistetes Engagement bei der Blutspende!

Mit freundlichen Grüßen
Ihr BSD West

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