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Prall gefüllte Blutbank? - Blutspenden werden gebraucht!

14.01.2014

Friedrich-Ernst Düppe

"Prall gefüllte Blutbank", diese Schlagzeile stach unseren Blutspendern am 8. Januar 2014 beim Lesen der Ruhr-Nachrichten und der Münsterschen Zeitung ins Auge. Vielleicht lag am gleichen Tag im Briefkasten das Schreiben des DRK-Blutspendedienstes mit der Bitte, doch zur dringend benötigten Blutspende zu kommen. Wie passt das zusammen? Die gleiche Schlagzeile haben möglicherweise auch die MTA und Ärzte im Krankenhaus gelesen, die sehn-süchtig auf das Erythrozytenkonzentrat mit der Blutgruppe 0 Rhesus negativ warten. Auch sie werden sich fra-gen, was ist da los beim DRK-Blutspendedienst?

Warum soll ich zur Blutspende kommen, wenn die „Blutbank prall gefüllt“ ist?

Warum muss ich so lange auf meine 0 Rhesus negativen Erythrozytenkonzentrate warten?

Die Wahrheit ist viel komplizierter als eine Schlagzeile aus drei Wörtern in fett gedruckten Buchstaben dies vermitteln kann.

Die Bluttransfusion ist eine der erfolgreichsten Therapien in der modernen Medizin. Sie hat in den letzten Jahrzehnten unzähligen Menschen das Leben gerettet und sie hat viele Operationen und Therapien ermöglicht, die ohne Bluttransfusion nicht möglich gewesen wären. Dies ließ den „Durst“ nach Blut immer größer werden. Die Blutspendedienste an den Krankenhäusern und beim Deutschen Roten Kreuz haben ihr Möglichstes getan, den Bedarf zu decken. Sie waren und sind - zum Glück immer noch - so erfolgreich, dass die verfügbaren und verwendeten Blutkonserven jährlich ausreichen.

War es anfangs noch die unmittelbare Blutübertragung vom Spender zum Patienten, so steht Blut heute in Form von Erythrozytenkonzentraten (das sind die roten Blutkörperchen, die den Sauerstoff transportieren), Thrombozyten (Blutplättchen)-Konzentraten und Blutplasma (für die Blutgerinnung) als Fertig-Arzneimittel fast jederzeit und in ausreichender Menge zur Verfügung.

Im Jahr 2000 wurden in Deutschland knapp 4,0 Millionen Erythrozytenkonzentrate transfundiert. Bis 2009 stieg der Bedarf auf über 4,5 Millionen Erythrozytenkonzentrate (Steigerung um 14,5 %)! Seitdem sinkt die Nachfrage, im Jahr 2012 auf gut 4,3 Millionen Erythrozytenkonzentrate (Rückgang zu 2009 um 4,2 %)[1].Dieser Trend hat sich auch 2013 weiter fortgesetzt.

Die Änderungen des Blutverbrauchs - trotz weiter steigender Zahl an Operationen - erklären sich aus einem rationaleren Umgang mit Blut. Heute können auch mit geringeren Mengen an Bluttransfusionen genauso gute Heilungsergebnisse erreicht werden. Auch die Operationstechniken haben sich immer weiter verbessert. Blutsparendes Operieren und die optimale Vorbereitung von Patienten auf eine Operation sind heute Standard. In vielen Fällen bleibt die Bluttransfusion aber auch weiterhin die oft einzig mögliche lebensrettende Maßnahme.

Würde man den Verbrauch an Blut in Deutschland nochmals um 10 oder gar 20 % reduzieren, würden wir immer noch pro Jahr mehrere Millionen Blutspenden benötigen – und zwar immer zur richtigen Zeit in der benötigten Menge. Insbesondere  brauchen wir auch bei einem insgesamt geringerem Bedarf immer ausreichende Vorräte in allen Blutgruppen, denn wenn Blut gebraucht wird, muss es sofort verfügbar sein! Ein Aufruf zur Blutspende kommt dann für den zu versorgenden Patienten zu spät. Blutspender, die einem Spendeaufruf folgen, füllen das Depot für den nächsten Notfall.  

Die zu beobachtenden Bedarfsveränderungen erfordern kurzfristige Anpassungen des Spendeaufkommens. Temporäre Engpässen und Versorgungsprobleme bei einzelnen Blutgruppen werden sich nicht immer vermeiden lassen. Dazu tragen die nur kurze Haltbarkeit der Blutpräparate sowie die Schwankungen im Spendeaufkommen und beim Bedarf für die Patientenversorgung bei. Nur in begrenztem Umfang lässt sich der Bedarf an Blut im Vorhinein planen.

Nicht jeder Patient kann jede Blutkonserve erhalten. Die Blutgruppe von Blutspender und Patient müssen verträglich sein, sonst ergeben sich schwere, möglicherweise sogar tödliche Transfusionsreaktionen. Es kommt vor, dass im Blutdepot zwar viele Erythrozytenkonzentrate vorhanden sind, nicht aber die für den Patienten gerade passenden. Die „prall gefüllte Blutbank“ kann also trotz großer vorhandener Mengen nicht jede einzelne Bestellung ausreichend bedienen.

Die Ursache dafür ist in der natürlichen Verteilung der Blutgruppen in der Bevölkerung zu finden. Nicht jede Blutgruppe ist in gleicher Menge auf der „Angebotsseite der Spender“ verfügbar. So weisen nur 7 % der Bevölkerung in Deutschland die Blutgruppe 0 Rhesus negativ auf. Aber 100 % der Patienten könnten mit Erythrozyten dieser Blutgruppe versorgt werden. Aus organisatorischer Sicht wäre es demnach ideal, nur Blutspender mit der Blutgruppe 0 Rhesus negativ zur Spende einzuladen. „Angebotsseitig“, d.h. rein mengenmäßig ist dieses aber nicht realisierbar.

Hinter der Versorgung unserer Bevölkerung mit Blut steckt ein gewaltiger logistischer und medizinischer Aufwand, den die gemeinnützigen Blutspendedienste des Deutschen Roten Kreuzes und an den Krankenhäusern und Universitätskliniken seit über 60 Jahren gemeinsam und erfolgreich für die Patientenversorgung betrieben haben. Die Herausforderung der Zukunft wird die Anpassung des Spendeaufkommens an die Versorgung mit Blutpräparaten und an die veränderte Nachfrage infolge der Altersentwicklung und neuer Therapieformen sein. Aufgabe der DRK-Blutspendedienste ist es hier auch weiterhin, ausreichend viele Blutspender zu mobilisieren. Dazu gehört sowohl die Werbung neuer junger Blutspender, die zum ersten Mal Blut spenden, als auch die Sorge um unsere langjährig treuen Blutspender. Blutspenden werden auch weiterhin dringend gebraucht! Kommen Sie bitte zur Blutspende!

 


[1]Quelle Zahlen: PEI Statistik nach § 21 TFG 

 

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