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Business oder Bestimmung? Blutspenden beim DRK

07.03.2019

Stephan David Küpper

Seit fast 70 Jahren entnehmen die Blutspendedienste des Deutschen Roten Kreuzes in Deutschland Blutspenden, sie übernahmen bereits unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg Verantwortung bei der Versorgung von Patienten mit aus Blutspenden erstellten Blutbestandteilen. Das war eine große Herausforderung, denn damals musste quasi aus dem Nichts ein funktionierendes Blutspende-System zur Versorgung der Bevölkerung mit Blutprodukten aufgebaut werden. Das DRK hat also zu einem Zeitpunkt Verantwortung übernommen, zu dem niemand wissen oder ahnen konnte, wie sich die Hämotherapie (das Blutspendewesen) entwickeln wird.

Bis zum heutigen Tag erfüllen die DRK-Blutspendedienste diese Aufgabe. Das Blutspendesystem in Deutschland funktioniert vorbildlich, auch deshalb, weil sich die DRK-Blutspendedienste den verändernden Rahmenbedingungen immer anpassen konnten und sich als innovativer Treiber in diesem Bereich der Medizin hervorgetan haben. Ein weiterer wichtiger Grundpfeiler dieser Arbeit ist das Ehrenamt. Ohne viele tausende ehrenamtlicher Helfer wäre die Durchführung von Blutspendeterminen flächendeckend unmöglich. 

Wie viel Blut braucht der Mensch zum Leben?                                                                                               

Die 5 DRK-Blutspendedienste in Deutschland liefern heute werktäglich bis zu 15.000 Blutkonserven an Arztpraxen und Krankenhäuser in ganz Deutschland und sichern damit über 70 Prozent des therapeutischen Bedarfs an Blutpräparaten für die Patienten. Für das Versorgungsgebiet des DRK-Blutspendedienstes West entspricht dies einer benötigten Menge von ca. 3.000 Blutspenden am Tag. Diese Zahlen ergeben sich aus der Erfahrung und der Erwartung an den Bedarf, den die Krankenhäuser und Arztpraxen haben. Die Blutspendedienste arbeiten demnach rein bedarfsorientiert. Nicht die Blutspendedienste legen fest, wie viele Blutkonserven in Therapie und Notfallversorgung notwendig sind, es sind die Anwender in der modernen Medizin. Die DRK-Blutspendedienste sind also Versorger und nicht Anwender von Blutpräparaten.

Der Bedarf an Blutkonserven kannte dabei über Jahrzehnte nur eine Richtung – „Mehr“ war hier das Schlagwort. Modernere Behandlungsmethoden und der medizinische Fortschritt ließen die Erfordernisse an Blutpräparaten wachsen. Seit einigen Jahren sinkt der Bedarf an Blutpräparaten stetig. Neue, blutsparende Therapieansätze und Operationsmethoden wurden entwickelt. Im sogenannten -Patient Blood Management (PBM) - werden Patienten besser auf Operationen vorbereitet und die eigene Blutbildung der Patienten wird unterstützt. Transfusionen werden erst zu einem späteren Zeitpunkt durchgeführt oder gar nicht. Weiterhin bleiben viele Patienten auf Bluttransfusionen angewiesen. Daher müssen ausreichend viele, gesunde und  freiwillige Blutspender motiviert werden, Blut zu spenden, damit  Blutpräparate in ausreichender Menge bereitstehen. Die schwankenden Nachfragen sind seit jeher Teil unserer Arbeit. Das heißt, wir müssen in der Lage sein, sichere Blutpräparate zu jeder Zeit in der richtigen Menge (und Blutgruppe) unter allen Umständen zur Verfügung stellen zu können. In diesem Zusammenhang passen die DRK-Blutspendedienste das eigene Entnahmevolumen seit vielen Jahren den tatsächlich geringeren Anwendungsraten von Blutprodukten an. 

Auch wenn der Blutbedarf insgesamt gesunken ist, werden in Deutschland jährlich  immer noch rund  3,5 Millionen Spenden zur Versorgung der Patienten benötigt. Nach wie vor ist für viele Patienten eine Transfusion lebensrettend und nach wie vor gibt es für viele Erkrankungen keine Alternative zur Behandlung mit Blutprodukten. Deshalb ist Patient Blood Management keine alternative Form der Therapie, welche die Arbeit der Blutspendedienste ersetzen kann, sondern eine Ergänzung. Verheerend wäre es jedenfalls, wenn sich die Berichterstattung zum PBM negativ auf das Blutspendeverhalten der Bevölkerung auswirken würde.

Geld gegen Blut? 

Der Aufwand, der täglich für die Sicherstellung der Versorgung der Patienten betrieben wird, ist immens. Beim DRK-Blutspendedienst West arbeiten in drei Bundesländern (Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland)  über 1.200 Mitarbeiter an vier Standorten in unterschiedlichsten medizinischen und nichtmedizinischen Abteilungen, um an 365 Tagen im Jahr, rund um die Uhr, für Patienten, Krebskranke und Unfallopfer die richtige Blutkonserve bereitstellen zu können. Über 50 Blutspende-Entnahmeteams fahren  täglich in alle Städte und Regionen. Das bedeutet, wir fahren dorthin, wo die Menschen leben und arbeiten. Nur so kann eine sichere Versorgung wirklich funktionieren. Jedes Blutspende-Team ist mit zahlreichen Mitarbeitern und Ärzten besetzt. Der Blutspendetermin selbst ist nur ein Glied in einer langen Kette von Maßnahmen, bis eine Blutkonserve in der Klinik ankommt.  Die Planung und Abstimmung von fast 12.000 Blutspendeterminen, Absprachen mit Vermietern, Vereinen, Hausmeistern und Ordungsbehörden ist eine gewaltige Aufgabe und kostet sehr viel Zeit und Aufwand. Und auch nach der Blutspende arbeiten die Spezialisten des Blutspendedienstes daran, aus 500 ml gespendeten Blutes bis zu drei Blutpräparate herzustellen: Das Erythrozytenkonzentrat, das Thrombozytenpräparat und das Blutplasma. Parallel wird das gespendete Blut untersucht. Nach 24 Stunden erfolgt in der Regel die Freigabe für die  Präparate und sie können zu den Patienten in die Krankenhäuser transportiert werden. Es sind hunderte Arbeitsschritte, die aus einer Blutspende ein lebensrettendes Blutpräparat machen.

Hinter jeder Blutspende steht also ein Aufwand. Dieser muss finanziert werden. Die Kliniken erstatten den DRK-Blutspendediensten diesen Aufwand. Das DRK-Blutspendewesen wird nicht über Spendengelder oder über staatliche bzw. kommunale Zuwendungen finanziert. Als gemeinnützige Gesellschaften arbeiten die DRK-Blutspendedienste nicht gewinnorientiert. Dies steht auch in der Satzung der Blutspendedienste. Das bedeutet jedoch nicht, dass gemeinnützige Organisationen, wie DRK-Blutspendedienste keine Investitionsüberschüsse erzielen dürfen. Im Gegenteil, sie müssen notwendige Investitionen finanzieren können. Beispiele für notwendige Investitionen sind z.B. die  Anschaffung eines Blutspendemobils, das mit mehr als 400.000 Euro zu veranschlagen ist oder die Modernisierung von Laborautomatisationen, die auch siebenstellige Summen kosten. Die Überschüsse bzw. Erlöse sind aber bei gemeinnützigen Unternehmen aus steuerrechtlichen Gründen gedeckelt. Das DRK trägt mit seiner Arbeit zur Sicherstellung der medizinischen Daseinsvorsorge von Menschen mit extrem seltenen Blutgruppen bei – diese Sicherstellung ist sehr kostenintensiv und würde aus rein wirtschaftlichen Erwägungen sicher kein gewinnorientiertes Unternehmen praktizieren. Auch die Bereitschaftsdienste von Labor und Vertrieb beim DRK dienen der lückenlosen Versorgungssicherheit an 365 Tagen im Jahr.

Blut gegen Geld?

Der altruistische Gedanke ist die Grundhaltung, die Menschen dazu bringt, Blut zu spenden. Grundlage der Arbeit der DRK-Blutspendedienste weltweit ist u.a. der Ethische Kodex. Dieser Kodex wird mitgetragen von der Weltgesundheitsorganisation (WHO), dem Europarat und der Internationalen Gesellschaft für Bluttransfusion (ISBT). Die Blutspende soll unter allen Umständen freiwillig und unentgeltlich sein. So formuliert es ebenfalls das deutsche Transfusionsgesetz. Davon abgesehen ist der DRK-Blutspendedienst West ein Teil des Roten Kreuzes. Unsere Grundsätze betonen das Prinzip der Freiwilligkeit. 

Ob man für eine Blutspende eine Gegenleistung in Form einer Aufwandsentschädigung erwartet, ist sicher eine persönliche Entscheidung. Das DRK betreibt – wie beschrieben – als einzige Institution den aufwendigen Weg zu den Menschen in alle Regionen. Der Kostenfaktor ist dabei groß, jeder Euro, der nicht ausgegeben wird, kommt somit der Gemeinschaft zugute, weil er nicht refinanziert werden muss. Auch dürfte die häufig geäußerte Meinung, durch finanzielle Anreize seien die Probleme auf der Aufkommensseite behoben, ein Irrglaube sein. Alle im Blutspendewesen aktiven Institutionen und Unternehmen stehen vor ähnlichen Problemen, wenn es darum geht, Menschen zu Blutspenden zu bewegen. Die DRK-Blutspendedienste sind als der Hauptversorger im Blutspendewesen vom demographischen Wandel stark betroffen. Die Probleme, die aus dem demographischen Wandel resultieren, sind aber sicher ein gesellschaftliches Thema, weil es uns alle irgendwann  direkt oder indirekt betrifft. Ein Plädoyer für die Blutspende würde deshalb in erster Linie allen Menschen helfen.

Blut, Sang, Blood

Mitmenschlichkeit kennt keine Grenzen. Deshalb helfen wir anderen Staaten und Völkern im Falle von Naturkatastrophen oder humanitären Hilfslagen. Blut ist ab dem Zeitpunkt der Spende aber ein besonderes Arzneimittel, das nach dem Prinzip –aus der Region, für die Region – behandelt wird. Jedes therapeutische Blutprodukt, das  in den Regionen gespendet wird, bleibt auch in den Regionen unserer Zuständigkeit (NRW, RLP, SL). In Ausnahmesituationen und großen Krisen helfen sich die unterschiedlichen Blutspendedienste auch einmal bundesländerübergreifend (dies war 2011 bei der sogenannten EHEC- Krise der Fall). Blutspenden werden nicht ins Ausland verkauft! Wenn in Veröffentlichungen vom „Blutmarkt“ gesprochen wird, so wird hier ein völlig falsches Bild gezeichnet.  Blut ist für die DRK-Blutspendedienste keine Handelsware - die Versorgung mit Blut ist unser Auftrag, den wir Tag für Tag zu erfüllen versuchen. Die Jahresberichte können im Bundesanzeiger eingesehen werden. Zudem stehen wir als gemeinnütziges Unternehmen unter permanenter Kontrolle der pharmazeutischen und staatlichen Aufsichtsbehörden, der Finanzämter und Aufsichtsräte.

Plasma – ein ganz besonderer Stoff

Das Blutplasma- ein eiweißreicher Blutbestandteil, wird in Kliniken immer dann eingesetzt, wenn es zu einem großen Blutverlust gekommen ist. Aber auch bei Verbrennungen findet Plasma seinen Einsatz. Zwischen 20 und 30 Prozent des aus einer Blutspende gewonnenen Plasmas wird direkt therapeutisch für Patienten benötigt und an die Kliniken abgegeben. Hieran erkennt man, dass der heutige Bedarf  an Blutplasma in Krankenhäusern nicht so hoch ist, wie jene Menge, die wir täglich aus Vollblutspenden entgegennehmen. Ein Teil des Blutplasmas wird demnach zur Herstellung lebensrettender Medikamente an arzneimittelherstellende Unternehmen abgegeben. Und ja, auch hier verlangen die DRK-Blutspendedienste einen Beitrag zur Deckung der dahinterliegenden Kosten. Durch den Einsatz der über die Plasmaweitergabe erzielten Beiträge, sind die Blutspendedienste in der Lage, die Preise für Blutkonserven auch im europäischen Vergleich seit Jahrzehnten auf niedrigen Werten zu halten. Auch dadurch wird das deutsche Gesundheitssystem entlastet.

Heutzutage werden aus den mehr als 120 Eiweißstoffen im Plasma hochwirksame Arzneimittel hergestellt, die unter anderem zur Vorbeugung gegen Hepatitis, Masern, der Bluterkrankheit oder gar als Patienten- spezifische Augentropfen eingesetzt werden. Die einzige Alternative zur Abgabe wäre

eine Vernichtung dieses Plasmas – es sollte jedem einleuchten, dass dies ethisch nicht vertretbar ist. Plasma als Ausgangsstoff für Medikamente rettet am Ende der gesamten Spende- und Verarbeitungs- und Verteilungskette Menschenleben oder hilft, chronisch Erkrankten, das Leben lebenswerter zu gestalten. 

Unser gemeinsamer Beitrag für die Gesellschaft 

Ohne freiwillige Blutspender können die DRK-Blutspendedienste kein Blut in Form von weiterverarbeiteten Blutpräparaten für die Patienten abgeben, Krankheiten lindern oder Leben retten. Ohne das Ehrenamt des DRK könnten wir das Blutspendewesen nicht so effektiv und auch herzlich organisieren. Es ist in unserem gemeinsamen Interesse, dass wir uns nicht von dem Bestreben entfernen, zu jeder Zeit, an jedem Ort, die richtige Blutkonserve bereitstellen zu können. Das sind die Ziele, an denen wir alle arbeiten.

 

 

 

 

 

 

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