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Neuer Spenderfragebogen erklärt!

13.12.2017

Gregor Fischer

"Mit dem neuen Spenderfragebogen habt ihr jetzt einen langjährigen Blutspender weniger!" - solche Kommentare lesen wir in letzter Zeit häufiger im Blog. Seitdem die überarbeitete Version des neuen Spenderfragebogens verpflichtend auf allen Blutspendeterminen eingeführt wurde, äußern einige Blutspender Unmut und Verunsicherung. Zu persönlich seien die Fragen, zu überzogen die Sicherheitsmaßnahmen. Viele Blutspender wünschen sich mehr Transparenz. Diesem Wunsch wollen wir gerne nachkommen.

Neuer Spenderbogen zum Download verfügbar!

Einer der häufigsten Kritikpunkte ist, dass der neue Spenderfragebogen vorab nicht zum Download zur Verfügung stand. Einige Blutspender haben das Bedürfnis, sich vorab mit den neuen Fragen vertraut zu machen, bevor sie sich auf den manchmal langen Weg zum Blutspendetermin machen. Dieser Wunsch ist vollkommen verständlich und wir freuen uns, ihm nun nachzukommen.

Ab sofort steht ein Muster des neuen Spenderfragebogens hier zum Download bereit: Neuer Spenderfragebogen (Muster)

Den alten Spenderfragebogen gibt es zum Vergleich ebenfalls zum Download: Alter Spenderfragebogen (Muster)

Aber warum kommt die Download-Möglichkeit erst jetzt? Als Blutspendedienst haben wir volles Verständnis für den Wunsch nach Transparenz. Wir wollen dem Spender den Fragebogen auch nicht vorenthalten. Langjährige Erfahrung aber zeigt, dass leicht Missverständnisse entstehen. Trotz Download muss der Spenderfragebogen nach wie vor vor Ort bei der Blutspende ausgefüllt werden! Der Spender muss sich unmittelbar vor dem Blutspenden mit den Fragen auseinandersetzen und sie wahrheitsgemäß beantworten. Auch wenn das Ausfüllen zuhause vielleicht Zeit bei der Anmeldung spart, es ist Teil des Konzeptes hinter dem Fragebogen, sich direkt vor der Blutspende auf die Beantwortung der Fragen zu konzentrieren.

Das Feedback zum neuen Spenderfragebogen zeigt, dass viele Spender die einzelnen Fragen besser verstehen wollen und sich mehr Transparenz wünschen. Im Folgenden haben wir deshalb die Fragen aus dem Bogen noch einmal einzeln aufgeführt und kommentiert. Wir hoffen damit, die teilweise komplexen medizinischen Hintergründe einzelner Fragen besser verständlich machen zu können. Außerdem wollen wir so Missverständnisse und Unklarheiten aus dem Weg räumen.

Kommentierter Spenderfragebogen

Gemäß Richtlinie Hämotherapie der Bundesärztekammer und des Paul-Ehrlich-Institutes sind vor jeder Spende mittels eines Fragebogens und einer persönlichen Befragung der Gesundheitszustand und relevante Vorerkrankungen des Spenders zu ermitteln. Dies kann zur Identifizierung und zum dauerhaften Ausschluss oder zur zeitlich begrenzten Rückstellung von Personen beitragen, deren Spende mit einem Gesundheitsrisiko für sie selbst oder mit dem Risiko einer Krankheitsübertragung auf andere verbunden sein könnte. Grundsätzlich gilt für die Blutspende das Prinzip "Sicher ist sicher". Um die Risiken zu minimieren, wenden wir deshalb verschiedene Werkzeuge an, zu denen auch der Spenderfragebogen gehört. Das Ziel des Spenderfragebogens ist die Vorbereitung auf das vertrauliche Arztgespräch. Der ausgefüllte Fragebogen gibt dem Arzt Hinweise darauf, wo er Rückfragen an den Spender stellen muss. Dabei geht es sowohl um den Schutz der Empfänger einer Blutspende, als auch ganz konkret um den Schutz des Spenders, der vor dem Arzt sitzt. Dabei unterliegt der Arzt der Schweigepflicht. Alles, was auf dem Spenderfragebogen steht oder mit dem Arzt besprochen wird, bleibt streng vertraulich.

Es folgen die kommentierten Fragen aus dem überarbeiteten Spenderfragebogen des DRK Blutspendedienst West:

 

1.

Fühlen Sie sich krank oder sind Sie krankgeschrieben?

Haben Sie heute schon gegessen und getrunken?

Wiegen Sie mindestens 50 kg?

Die Fragen zum Einstieg sollen klären, ob der Spender sich in einer geeigneten Verfassung für die Blutspende befindet. Spender, die sich krank oder nicht fit fühlen, sollten zum eigenen Schutz von einer Spende absehen, bis sie sich besser fühlen. Allerdings schließt nicht jede Arbeitsunfähigkeit eine Blutspende aus. Im Zweifelsfalle hilft eine vorherige Klärung über unsere gebührenfreie Hotline. Das Mindestgewicht von 50 kg soll sicherstellen, dass der Spender auch über genügend Blut verfügt, um davon etwas abgeben zu können.

 

2. Hatten Sie in der letzten Woche

einen unkomplizierten Infekt (z. B. Schnupfen, Erkältung, Harnwegsinfekt) ohne Fieber,

eine zahnärztliche Behandlung oder professionelle Zahnreinigung,

eine Verletzung oder einen kleinen operativen Eingriff?

Diese Fragen dienen der Klärung, ob ggf. Krankheitserreger im Blut vorhanden sein können. Bei manchen zahnärztlichen Eingriffen ist es völlig normal, dass vorübergehend Bakterien aus der Mundschleimhaut in die Blutbahn gelangen. Einem Gesunden macht das nichts aus, schließlich hat er ein funktionierendes Abwehrsystem. In einer Blutkonserve jedoch können sich Bakterien rasch vermehren und somit zu einer Bedrohung für den Transfusionsempfänger werden. Das gilt auch für Verletzungen und kleinere Eingriffe, bei denen z. B. eine gestörte Wundheilung auf einen Infekt hindeuten kann.

 

3. Hatten Sie in den letzten 4 Wochen Durchfall, anhaltende Bauchschmerzen, Erbrechen, eine Entzündung oder Fieber?

Hier werden gesundheitliche Störungen angesprochen,deren Krankheitserreger über das gespendete Blut den Patienten gefährden könnten.

 

4. Waren Sie in den letzten 4 Monaten im Krankenhaus, beim Arzt oder beim Heilpraktiker?

Hier handelt es sich um eine Sammelfrage, bei der der Arzt vor Ort Hinweise bekommen kann, dass er an der einen oder anderen Stelle nochmals weiter fragen muss. Jede Behandlung kann darauf hindeuten, dass durch eine Blutspende der Spender oder der Empfänger Schaden nehmen könnte.

 

5. Haben oder hatten Sie eine oder mehrere der folgenden Erkrankungen (ggf. unterstreichen):

Herz- oder Gefäßerkrankung (z. B. Thrombose, Herzrhythmusstörung, Schlaganfall, Herzinfarkt),

Nervenerkrankung (z. B. Epilepsie),

Erkrankung von Haut, Blut, Lunge (z. B. Asthma), Leber, Niere, Magen oder Darm; chronische Erkrankungen wie Allergien, Zuckerkrankheit,

Tumor (z. B. Krebs)?

Grundsätzlich sind Blutspenden bei schweren, besonders bei chronischen Erkrankungen nicht vertretbar. So dürfen beispielsweise Menschen mit schweren Herz-/Kreislauferkrankungen kein Blut spenden, da sich eine Blutspende negativ auf das Wohlbefinden auswirken kann. Beispiel Herzinfarkt: Ein Mensch hat vor fünf Jahren einen Herzinfarkt erlitten, diesen aber mittlerweile gut überstanden. Er fühlt sich gesund und voller Tatendrang. Ein plötzlicher Blutdruckabfall als Reaktion auf den durch die Blutspende erlittenen Blutverlust kann aber akut zu einem Sauerstoffmangel am Herzmuskel führen und ggf. einen neuen Infarkt auslösen. Auch ein epileptischer Anfall kann durch eine Blutspende ausgelöst werden, wenn der Spender ein entsprechendes Risiko hat.

Diese Fragen dienen also in allererster Linie der Erkennung von Risiken für den Spender, weniger für den Empfänger. In Ihrem eigenen Interesse sollten Sie diese Fragen unbedingt wahrheitsgemäß beantworten, denn auch Ihre Gesundheit liegt uns am Herzen!

 

6. • Ist Ihnen schon einmal gesagt worden, dass Sie kein Blut spenden dürfen?

Hat es bei einer früheren Blutentnahme / Blutspende Komplikationen gegeben?

Spenden Sie auch in anderen Blutspende-Einrichtungen?

Diese Fragen zielen darauf ab, in Erfahrung zu bringen, ob es früher bereits Gründe gegeben hat, wegen derer der Spender zurückgestellt werden musste. Die Frage nach der Spende bei anderen Blutspende-Einrichtungen soll sicherstellen, dass Blutspender die notwendigen Wartezeiten zwischen den einzelnen Blutspenden einhalten. Es kommt leider immer wieder vor, dass Blutspender aus fehlgeleitetem Enthusiasmus innerhalb kürzester Zeit in verschiedenen Einrichtungen spenden und ihre eigene Gesundheit gefährden.

 

7. Konsumieren Sie Rauschmittel oder Medikamente missbräuchlich?

Das missbräuchliche Konsumieren von Rauschmitteln oder Medikamenten kann einen Ausschlussgrund für die Blutspende darstellen. Generell sollen Blutspender vor der Spende keinen Alkohol getrunken oder andere Drogen konsumiert haben.
Die Einnahme von Medikamenten kann zudem Einfluss auf die Eigenschaften des Blutes nehmen oder zu Komplikationen bei der Entnahme führen. Alle Angaben, die Sie beim Arzt machen unterliegen jedoch der Schweigepflicht und werden nur zwischen Ihnen und dem Arzt diskutiert.

 

8. Werden Sie in den nächsten 12 Stunden Tätigkeiten in Beruf oder Hobby ausüben, die Sie

oder andere gefährden könnten (z. B. Personenbeförderung, Tätigkeit mit Absturzgefahr

oder erheblicher körperlicher Belastung)?

Nach einer Blutspende können sich Spender schwach fühlen und möglicherweise für einen begrenzten Zeitraum nicht die gewohnte körperliche Leitungsfähigkeit erbringen. Oft unterschätzen Blutspender auch ihr eigenes Befinden nach der Spende. Die meisten Tätigkeiten des Alltags lassen sich jedoch problemlos erledigen. Diese Frage richtet sich deshalb eher an Menschen, die im Beruf Personen befördern, schwere Maschinen bedienen oder Extremsportarten ausführen wollen. Für Freizeitsportler gilt: Am Tag / Abend nach der Blutspende möglichst keine sportliche Betätigung „bis an die Grenze“ oder gar Wettkämpfe!

 

9. Nur für Frauen:

Sind Sie schwanger oder stillen Sie?

Waren Sie jemals schwanger?

Wenn ja, wann zuletzt?

Wenn Sie schwanger sind, brauchen Sie und Ihr Kind das Blut nötiger als jeder andere! Und auch während der Stillzeit sind die Reaktionen des Organismus auf plötzlichen Blutverlust unvorhersehbar. Die Frage nach früheren Schwangerschaften und dem Datum der letzten Schwangerschaft ermöglicht es dem Blutspendedienst, spezielle Laboruntersuchungen aus dem gespendeten Blut vorzunehmen, die der Sicherheit des Transfusionsempfängers dienen (Ausschluss von Antikörpern, die durch eine Schwangerschaft entstanden sein können und nicht der Frau, wohl aber dem Transfusionsempfänger schaden können).

 

10. Wurde bei Ihnen jemals

eine Leberentzündung („Gelbsucht“), z. B. Hepatitis A, Hepatitis B oder Hepatitis C festgestellt?

eine Infektion mit HIV (AIDS) oder HTLV nachgewiesen?

Solche Infektionskrankheiten können durch Blut übertragen werden, daher kommt eine Blutspende leider nicht in Frage.

 

11. • Hatten Sie in den letzten 4 Monaten eine Akupunktur?

Haben Sie sich in den letzten 4 Monaten tätowieren lassen oder einer anderen

Maßnahme unterzogen, die Haut oder Schleimhaut verletzt wie Ohrlochstechen,

Piercing, Implantationen, Cutting, Branding, permanentes Makeup?

Manche dieser Maßnahmen gehen leider mit einem gewissen Infektionsrisiko einher z. B. durch unzureichend sterilisiertes Material. Besonders die infektiöse Gelbsucht (Hepatitis) kann so übertragen werden. Zwar ist dies nicht sehr häufig, aber sicher ist sicher. Eine Dauersperre ist nicht erforderlich, aber ein zeitlicher Abstand von vier Monaten, damit eine eventuelle Infektion im Labor auch sicher erkannt werden kann, muss eingehalten werden (siehe hierzu auch die Erläuterungen zu Frage 16).

 

12. Haben Sie in den letzten 4 Monaten mit einer Person in einem Haushalt gelebt, bei der eine Leberentzündung (Hepatitis) festgestellt wurde?

Wenn Sie diese Frage mit „ja“ beantworten, schließt Sie das nicht grundsätzlich von der Spende aus. Der Arzt vor Ort wird jedoch nach Einzelheiten fragen, um mögliche Infektionsrisiken besser erkennen zu können.

 

13. Sind Sie in den letzten 4 Monaten in Berührung mit Blut einer anderen Person gekommen, z. B. über die Schleimhaut (auch Auge) oder durch eine Verletzung mit einem Instrument (z. B. Injektionsnadel)?

Siehe hierzu auch die Erläuterungen zu Frage 11.

 

14. Haben Sie innerhalb der letzten 2 Jahre Blutübertragungen (rote Blutkörperchen, Blutplättchen, Blutplasma – auch Eigenblut) erhalten?

Wenn Sie Blutübertragungen bekommen haben, ist es nicht auszuschließen, dass Sie Antikörper gegen Blutgruppeneigenschaften des Spenders entwickelt haben. Das schadet Ihnen zwar nicht, muss aber bei der Übertragung von Blut berücksichtigt werden, daher wird in solchen Fällen eine spezielle Diagnostik im Labor veranlasst.

 

15. Hatten Sie in den letzten 4 Monaten eine Operation, eine Gewebetransplantation, eine Endoskopie (z. B. Magen-, Blasen-, Darm- oder Gelenkspiegelung), eine Katheteranwendung oder wurde Ihnen Gewebe entnommen (Biopsie)?

Eine Sammelfrage ähnlich wie unter Frage 4. Manche Operationen weisen auf Grundkrankheiten hin, mit denen eine Spende aus Gründen des Spenderschutzes nicht vereinbar ist. Manche Eingriffe hingegen können Infektionsrisiken bergen ähnlich der Akupunktur oder der Tätowierung, können also auch ein Risiko für den Transfusionsempfänger bergen. Eine Gewebeentnahme kann auf eine Tumorerkrankung hinweisen. Auch in solchen Fällen ist eine Spende bis zum Ausschluss einer bösartigen Erkrankung nicht möglich.

 

Über den Sexualverkehr können Infektionen, wie z. B. HIV oder Hepatitis, übertragen werden. Direkt nach der Ansteckung mit HIV und / oder Hepatitis kann ein Spender ohne es zu wissen infiziert sein und durch sein Blut den Empfänger der Spende anstecken. Leider können Labortests eine Infektion zum Teil erst bis zu 4 Monate nach der Ansteckung nachweisen. Daher schützen Sie mit Ihrer ehrlichen Antwort die Empfänger Ihrer Spende.

16. Hatten Sie in den letzten 4 Monaten Sexualverkehr

mit einer neuen Partnerin / einem neuen Partner?

mit einer Person, die eine schwere Infektionskrankheit (z. B. AIDS oder Hepatitis) hat oder haben könnte?

für den Sie Geld oder andere Leistungen (Unterkunft, Drogen) bezahlt haben?

Nur für Frauen: mit einem bisexuellen Mann? ja nein

Haben Sie schon einmal Geld oder andere Leistungen (z. B. Drogen) für Sexualverkehr erhalten?

Nur für Männer: Hatten Sie schon einmal Sexualverkehr mit einem anderen Mann?

Viele Menschen haben bei dieser Frage die erste Empfindung, dass solche intimen Details niemanden etwas angehen. Diese Einschätzung ist weit verbreitet, aber nicht zutreffend. Infektionskrankheiten wie AIDS oder Hepatitis werden vor allem durch Sexualkontakte übertragen und auch Blutspender können sich auf diesem Wege angesteckt haben. Manche Spender wissen gar nicht, wie sie selbst infiziert werden können oder welches die konkreten Risiken sind. Daher ist es unbedingt notwendig, im Rahmen der ärztlichen Spenderzulassung eventuelle Risiken klar und vor allem unmissverständlich anzusprechen. Sie können sicher sein, dass Ihre Angaben zu diesen Fragen mit dem höchstmöglichen Maß an Vertraulichkeit behandelt werden. Die Empfindung, solche Fragen habe es im alten Spenderfragebogen nicht gegeben ist dabei nicht zutreffend: Bereits in der früheren Version wurden Spender gefragt, ob sie zu einer der genannten Risikogruppen gehören. Da aber die wenigsten Menschen sich ehrlich einer Risikogruppe zuordnen würden, war es notwendig, die Fragen direkter und drastischer zu formulieren. Dass diese Fragen jetzt im Sinne der Zielsetzung von den Angesprochenen verstanden werden, zeigt, dass es notwendig war, diese Themen direkter und offener anzusprechen, als das bisher der Fall war. Die Blutspendeeinrichtungen in Deutschland sind sich bewusst, dass diese Fragen manchem Spender unangenehm sein können. Doch auch hier gilt das Motto "Sicher ist sicher". Natürlich werden alle Blutkonserven getestet, eine sehr frische Infektion kann aber in manchen Fällen erst einige Wochen nach der Infektion nachgewiesen werden. Daher ist es von größter Bedeutung, zusätzlich zur Testung, auch nach Risiken für sexuell übertragbare Infektionskrankheiten zu fragen. Bitte bedenken Sie: Rein rechnerisch wird jeder zweite Mensch im Laufe seines Lebens eine Bluttransfusion benötigen. Sollte dies bei Ihnen oder einem nahen Angehörigen der Fall sein, werden Sie zu Recht erwarten, dass der entsprechende Spender ebenso sorgfältig und unmissverständlich befragt wurde wie Sie als Spender.

 

17. Haben Sie schon einmal Drogen gespritzt oder geschnupft?

Drogenkonsum kann verschiedenste Hinweise geben. Intravenöser Drogenkonsum kann Infektionsrisiken bergen, andere Drogen können z. B. mit Persönlichkeitsveränderungen einhergehen. Eine Entscheidung über die Blutspende hängt letztlich davon ab, was, wann und wie konsumiert wurde und ob Wirkungen oder Auswirkungen erkennbar sind oder nicht. Die letzte Entscheidung trifft der Arzt vor Ort.


18. Waren Sie innerhalb der letzten 4 Monate in Haft?

Bei Unterbringung in Sammelunterkünften wie Haftanstalten kann das Risiko für den Erwerb von durch Blut übertragbaren Infektionskrankheiten erhöht sein. Daher gilt in solchen Fällen eine Rückstellungsfrist von vier Monaten nach Haftentlassung (siehe auch Frage 11).

 

19. Haben Sie in den letzten 4 Monaten Spritzen erhalten, die nicht vom Arzt verschrieben wurden (z. B. Muskelaufbaupräparate)?

 

Die Verwendung von Spritzen, die nicht vom Arzt verschrieben wurden, ist missbräuchlich. Da solche Präparate (vor allem Muskelaufbaupräparate) häufig aus dubiosen Quellen stammen, ist deren Qualität und damit die Auswirkung auf den Gesundheitszustand dessen, der sie einnimmt, nicht sicher zu beurteilen. Hier spielt der Spenderschutz eine ebenso große Rolle wie der Schutz des Patienten!

 

20. • Haben Sie jemals Frischzellen, bzw. Gewebe (Transplantate) oder Gewebeextrakte von Tieren erhalten?

Sind Sie in den letzten 12 Monaten nach Tierkontakt gegen Tollwut geimpft worden?

Erhielten Sie in den letzten 12 Monaten tierisches Serum (z. B. gegen Schlangenbisse)?

Bei dieser Frage gilt es zu erkennen, ob mit dem verwendeten Präparat spezielle Infektionsrisiken einhergehen.

 

21. • Sind Sie außerhalb Europas geboren?

Haben Sie jemals länger als 6 Monate außerhalb Europas gelebt? Wenn ja, wo? Wann?

Waren Sie in den letzten 6 Monaten, auch kurzfristig, im Ausland?

Ein sehr komplexe Frage, deren Bewertung einer sorgfältigen Prüfung bedarf. Hintergrund für die Frage ist, dass manche Infektionskrankheiten in bestimmten Regionen der Welt häufiger auftreten als in anderen. Ist z. B. jemand in einem Land aufgewachsen, in dem die Malaria vorkommt, muss vor einer Zulassung geprüft werden, ob eine Malariainfektion sicher ausgeschlossen werden kann, denn auch eine Malaria kann durch Blut übertragen werden. Aber auch manche Tropenkrankheiten erreichen zunehmend beliebte Ferienregionen der mitteleuropäischen Bevölkerung. So kommt z. B. seit einigen Jahren das sogenannte West Nil-Virus in manchen Urlaubsregionen Süd- und Südosteuropas vor. Über die jeweils notwendige Rückstellungsdauer informiert Sie der Arzt vor Ort.

 

22. Wurde bei Ihnen jemals eine Malaria festgestellt?

Siehe Antwort zu Frage 21.

 

23. Haben oder hatten Sie eine Tuberkulose, Osteomyelitis, Syphilis, Rheumatisches Fieber, Toxoplasmose, Salmonelleninfektion (Typhus- oder Paratyphus), Q-Fieber?

Siehe Antwort zu Frage 21.

 

24. Wurde bei Ihnen jemals eine der folgenden seltenen Erkrankungen festgestellt: Chagas-Krankheit (Trypanosomiasis), Brucellose, Babesiose, Leishmaniose, Lepra, Melioidose, Rückfallfieber, Hasenpest (Tularämie), Fleckfieber oder andere Rickettsiosen?

Siehe Antwort zu Frage 21.

 

25. Haben Sie innerhalb der letzten 4 Wochen Tabletten o. a. Medikamente eingenommen, wie z. B. Antibiotika, Schmerzmittel (auch Aspirin, ASS), Mittel gegen Bluthochdruck oder andere?

Bei Arzneimitteleinnahme muss immer geprüft werden, ob a) die Erkrankung selbst, der die Einnahme zugrunde liegt, eine Gefährdung für Spender oder Empfänger darstellt oder b) das Arzneimittel oder dessen Abbauprodukte ausgelöst durch eine Blutspende schädliche Nebenwirkungen beim Blutspender hervorrufen oder unerwünschte Wirkungen auf den Transfusionsempfänger ausüben kann.

Beispiele:

• Die Einnahme eines Antibiotikums weist darauf hin, dass der Spendewillige vor kurzer Zeit einen bakteriellen Infekt gehabt hat (Empfängerschutz!)

• Die Einnahme bestimmter Herzmedikamente weist darauf hin, dass der Spendewillige durch einen Blutdruckabfall anlässlich einer Blutspende ggf. Schaden nehmen könnte (Spenderschutz!)

• Manche Medikamente z. B. gegen Akne oder Haarausfall können Missbildungen bei Ungeborenen auslösen, wenn z. B. eine Schwangere mit der betreffenden Blutspende versorgt werden muss.

 

26. Haben Sie jemals Tabletten zur Behandlung von Schuppenflechte oder schwerer Akne eingenommen (z. B. Tigason®, Neo-Tigason®, Roaccutan®)?

Siehe Antwort zu Frage 25.

 

27. Wurden Sie in den letzten 4 Wochen geimpft?

Unterschiedliche Impfungen ziehen unterschiedliche Rückstellungsfristen nach sich. Manche Impfungen (z. B. Gelbfieber) sind sog. „Lebendimpfstoffe“. Rückstände des Impfstoffs können Patienten mit unzureichender Immunabwehr durchaus schaden. Andere Impfungen wie z. B. die Grippeimpfung wiederum sind „Totimpfstoffe“, die keiner Einschränkung unterliegen.

 

28. Wurde bei Ihnen oder einem Ihrer Blutsverwandten die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit oder eine ähnliche Erkrankung festgestellt oder bestand jemals ein Verdacht auf eine dieser Erkrankungen?

Bei manchen seltenen Erkrankungen kann die Wissenschaft bis heute nicht mit Bestimmtheit ausschließen, dass sie durch Blut von Mensch zu Mensch übertragbar sind. Sicher ist sicher!

 

29. • Wurden Sie vor 1993 mit Hormonen der Hirnanhangdrüse, z. B. wegen Wachstumsstörungen, Unfruchtbarkeit, Endometriose behandelt?

Haben Sie jemals Hornhaut -, Hirnhaut - oder andere Transplantate erhalten?

Das unter Frage 28 Gesagte gilt auch für die hier genannten Medikamente / Transplantate.

 

30.

Haben Sie sich in der Zeit zwischen dem 01.01.1980 und 31.12.1996 insgesamt länger als 6 Monate im Vereinigten Königreich Großbritannien und Nordirland aufgehalten?

Sind Sie im Vereinigten Königreich Großbritannien und Nordirland nach dem 01.01.1980 operiert worden oder haben Sie dort eine Blutübertragung (rote Blutkörperchen, Blutplättchen, Blutplasma) erhalten?

Das unter Frage 28 Gesagte gilt auch für Aufenthalte / Operationen / Transfusionen im Vereinigten Königreich in der genannten Zeit.

 

BILDER ZUM BEITRAG

KOMMENTARE ZUM BEITRAG

BSD West 19.01.2018, 13:20 Uhr

Hallo Herr H.,

vielen Dank für Ihren Kommentar! Den Hinweis bezüglich der Impfungen nehmen wir gerne mit auf. Vor der Blutspende können Sie sich gerne auch jederzeit an die Hotline der DRK Blutspendedienste unter 0800 11 949 11 wenden, um vorab noch offene Fragen zu klären.

Beste Grüße
Ihr BSD West

BSD West 19.01.2018, 13:19 Uhr

Sehr geehrte Frau Göbel,

vielen Dank für Ihre Nachricht! Es freut uns zu hören, dass die Behandlung erfolgreich verlaufen ist! Wir wünschen Ihnen weiterhin gute Besserung viel Erfolg bei der Reha!

Beste Grüße in den Schwarzwald
Ihr BSD West

Thomas H. 19.01.2018, 09:25 Uhr

Hallo,
ich finde es super, dass der Fragebogen zur Einsicht zur Verfügung steht und die Fragen erklärt werden. In einem Punkt würde ich mir eine Verbesserung wünschen. Bei der Frage nach Impfungen, könnte noch näher auf die Rückstellzeiten eingegangen werden. Zumindest bei den Standardimpfungen (Hepatitis B, MMR, Tetanus, Keuchhusten usw.) Dann kann man entweder die Impfung planen oder sich den Weg zum Blutspende Termin sparen.
Freundliche Grüße

Heidemarie Göbel 18.01.2018, 17:18 Uhr

Sehr geehrte Damen,
sehr geehrte Herren.
Bei mir wurde im Mai 2017 ein Lungenkarzinom festgestellt, sowie operativ und mit einer Chemo- therapie erfolgreich behandelt. Zurzeit befinde ich mich in einer Reha-Maßnahme und werde erst Mitte Februar wieder zu hause sein.
Mit freundlichen Gruß aus dem verschneiten Schwarzwald. gez. Heidemarie Göbel

BSD West 15.01.2018, 14:21 Uhr

Hallo D.M.,

das trifft aber nur jeweils auf die erste Hälfte der beiden Fragen zu, die sie als Beispiel anführen. Bei Frage 29 heißt es u.a. "Haben Sie jemals Hornhaut -, Hirnhaut - oder andere Transplantate erhalten?", bei Frage 30 steht zudem "Sind Sie im Vereinigten Königreich Großbritannien und Nordirland nach dem 01.01.1980 operiert worden oder haben Sie dort eine Blutübertragung (rote Blutkörperchen, Blutplättchen, Blutplasma) erhalten?". Beides kann sich zwischen zwei Blutspenden geändert haben und gerade deswegen ist es so wichtig, dass die Spender den Fragebogen jedes Mal mit "frischem Blick" betrachten.

Beste Grüße
Ihr BSD West

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