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Neuer Spenderfragebogen erklärt!

13.12.2017

Gregor Fischer

"Mit dem neuen Spenderfragebogen habt ihr jetzt einen langjährigen Blutspender weniger!" - solche Kommentare lesen wir in letzter Zeit häufiger im Blog. Seitdem die überarbeitete Version des neuen Spenderfragebogens verpflichtend auf allen Blutspendeterminen eingeführt wurde, äußern einige Blutspender Unmut und Verunsicherung. Zu persönlich seien die Fragen, zu überzogen die Sicherheitsmaßnahmen. Viele Blutspender wünschen sich mehr Transparenz. Diesem Wunsch wollen wir gerne nachkommen.

Update: Wir haben die Fragen durch erläuternde Hinweise ergänzt, die in knapper Form die Auswirkungen der ja/nein-Antworten auf die Spendefähigkeit verdeutlichen sollen. Wir hoffen, dass so die Orientierung bei der Lektüre der kommentierten Version leichter fällt. Die hinzugefügten Hinweise sind kursiv und in Klammern geschrieben. 

Neuer Spenderbogen zum Download verfügbar!

Einer der häufigsten Kritikpunkte ist, dass der neue Spenderfragebogen vorab nicht zum Download zur Verfügung stand. Einige Blutspender haben das Bedürfnis, sich vorab mit den neuen Fragen vertraut zu machen, bevor sie sich auf den manchmal langen Weg zum Blutspendetermin machen. Dieser Wunsch ist vollkommen verständlich und wir freuen uns, ihm nun nachzukommen.

Ab sofort steht ein Muster des neuen Spenderfragebogens hier zum Download bereit: Neuer Spenderfragebogen (Muster)

Den alten Spenderfragebogen gibt es zum Vergleich ebenfalls zum Download: Alter Spenderfragebogen (Muster)

Aber warum kommt die Download-Möglichkeit erst jetzt? Als Blutspendedienst haben wir volles Verständnis für den Wunsch nach Transparenz. Wir wollen dem Spender den Fragebogen auch nicht vorenthalten. Langjährige Erfahrung aber zeigt, dass leicht Missverständnisse entstehen. Trotz Download muss der Spenderfragebogen nach wie vor vor Ort bei der Blutspende ausgefüllt werden! Der Spender muss sich unmittelbar vor dem Blutspenden mit den Fragen auseinandersetzen und sie wahrheitsgemäß beantworten. Auch wenn das Ausfüllen zuhause vielleicht Zeit bei der Anmeldung spart, es ist Teil des Konzeptes hinter dem Fragebogen, sich direkt vor der Blutspende auf die Beantwortung der Fragen zu konzentrieren.

Das Feedback zum neuen Spenderfragebogen zeigt, dass viele Spender die einzelnen Fragen besser verstehen wollen und sich mehr Transparenz wünschen. Im Folgenden haben wir deshalb die Fragen aus dem Bogen noch einmal einzeln aufgeführt und kommentiert. Wir hoffen damit, die teilweise komplexen medizinischen Hintergründe einzelner Fragen besser verständlich machen zu können. Außerdem wollen wir so Missverständnisse und Unklarheiten aus dem Weg räumen.

Kommentierter Spenderfragebogen

Gemäß Richtlinie Hämotherapie der Bundesärztekammer und des Paul-Ehrlich-Institutes sind vor jeder Spende mittels eines Fragebogens und einer persönlichen Befragung der Gesundheitszustand und relevante Vorerkrankungen des Spenders zu ermitteln. Dies kann zur Identifizierung und zum dauerhaften Ausschluss oder zur zeitlich begrenzten Rückstellung von Personen beitragen, deren Spende mit einem Gesundheitsrisiko für sie selbst oder mit dem Risiko einer Krankheitsübertragung auf andere verbunden sein könnte. Grundsätzlich gilt für die Blutspende das Prinzip "Sicher ist sicher". Um die Risiken zu minimieren, wenden wir deshalb verschiedene Werkzeuge an, zu denen auch der Spenderfragebogen gehört. Das Ziel des Spenderfragebogens ist die Vorbereitung auf das vertrauliche Arztgespräch. Der ausgefüllte Fragebogen gibt dem Arzt Hinweise darauf, wo er Rückfragen an den Spender stellen muss. Dabei geht es sowohl um den Schutz der Empfänger einer Blutspende, als auch ganz konkret um den Schutz des Spenders, der vor dem Arzt sitzt. Dabei unterliegt der Arzt der Schweigepflicht. Alles, was auf dem Spenderfragebogen steht oder mit dem Arzt besprochen wird, bleibt streng vertraulich.

Es folgen die kommentierten Fragen aus dem überarbeiteten Spenderfragebogen des DRK Blutspendedienst West:

 

1.

Fühlen Sie sich krank oder sind Sie krankgeschrieben?

(hier erfolgt eine Prüfung durch den Arzt, ob Ihre Angaben eine Blutspende ausschließen oder ob sie möglich ist)

Haben Sie heute schon gegessen und getrunken?

(hier erfolgt eine Prüfung durch den Arzt, ob Ihre Angaben eine Blutspende ausschließen oder ob sie möglich ist)

Wiegen Sie mindestens 50 kg?

(eine Spende ist bei einem Körpergewicht unter 50 kg nicht möglich)

Die Fragen zum Einstieg sollen klären, ob der Spender sich in einer geeigneten Verfassung für die Blutspende befindet. Spender, die sich krank oder nicht fit fühlen, sollten zum eigenen Schutz von einer Spende absehen, bis sie sich besser fühlen. Allerdings schließt nicht jede Arbeitsunfähigkeit eine Blutspende aus. Im Zweifelsfalle hilft eine vorherige Klärung über unsere gebührenfreie Hotline. Das Mindestgewicht von 50 kg soll sicherstellen, dass der Spender auch über genügend Blut verfügt, um davon etwas abgeben zu können.

 

2. Hatten Sie in der letzten Woche

einen unkomplizierten Infekt (z. B. Schnupfen, Erkältung, Harnwegsinfekt) ohne Fieber,

eine zahnärztliche Behandlung oder professionelle Zahnreinigung,

eine Verletzung oder einen kleinen operativen Eingriff?

(hier erfolgt eine Prüfung durch den Arzt, ob Ihre Angaben eine Blutspende ausschließen oder ob sie möglich ist)

Diese Fragen dienen der Klärung, ob ggf. Krankheitserreger im Blut vorhanden sein können. Bei manchen zahnärztlichen Eingriffen ist es völlig normal, dass vorübergehend Bakterien aus der Mundschleimhaut in die Blutbahn gelangen. Einem Gesunden macht das nichts aus, schließlich hat er ein funktionierendes Abwehrsystem. In einer Blutkonserve jedoch können sich Bakterien rasch vermehren und somit zu einer Bedrohung für den Transfusionsempfänger werden. Das gilt auch für Verletzungen und kleinere Eingriffe, bei denen z. B. eine gestörte Wundheilung auf einen Infekt hindeuten kann.

 

3. Hatten Sie in den letzten 4 Wochen Durchfall, anhaltende Bauchschmerzen, Erbrechen, eine Entzündung oder Fieber? 

(hier erfolgt eine Prüfung durch den Arzt, ob Ihre Angaben eine Blutspende ausschließen oder ob sie möglich ist)

Hier werden gesundheitliche Störungen angesprochen,deren Krankheitserreger über das gespendete Blut den Patienten gefährden könnten.

 

4. Waren Sie in den letzten 4 Monaten im Krankenhaus, beim Arzt oder beim Heilpraktiker?

(hier erfolgt eine Prüfung durch den Arzt, ob Ihre Angaben eine Blutspende ausschließen oder ob sie möglich ist)

Hier handelt es sich um eine Sammelfrage, bei der der Arzt vor Ort Hinweise bekommen kann, dass er an der einen oder anderen Stelle nochmals weiter fragen muss. Jede Behandlung kann darauf hindeuten, dass durch eine Blutspende der Spender oder der Empfänger Schaden nehmen könnte.

 

5. Haben oder hatten Sie eine oder mehrere der folgenden Erkrankungen (ggf. unterstreichen):

Herz- oder Gefäßerkrankung (z. B. Thrombose, Herzrhythmusstörung, Schlaganfall, Herzinfarkt),

(hier erfolgt eine Prüfung durch den Arzt, ob Ihre Angaben eine Blutspende ausschließen oder ob sie möglich ist)

Nervenerkrankung (z. B. Epilepsie),

(meist ist in solchen Fällen eine Rückstellung von der Spende notwendig)

Erkrankung von Haut, Blut, Lunge (z. B. Asthma), Leber, Niere, Magen oder Darm; chronische Erkrankungen wie Allergien, Zuckerkrankheit,

(hier erfolgt eine Prüfung durch den Arzt, ob Ihre Angaben eine Blutspende ausschließen oder ob sie möglich ist)

Tumor (z. B. Krebs)?

(meist ist in solchen Fällen eine Rückstellung von der Spende notwendig)

Grundsätzlich sind Blutspenden bei schweren, besonders bei chronischen Erkrankungen nicht vertretbar. So dürfen beispielsweise Menschen mit schweren Herz-/Kreislauferkrankungen kein Blut spenden, da sich eine Blutspende negativ auf das Wohlbefinden auswirken kann. Beispiel Herzinfarkt: Ein Mensch hat vor fünf Jahren einen Herzinfarkt erlitten, diesen aber mittlerweile gut überstanden. Er fühlt sich gesund und voller Tatendrang. Ein plötzlicher Blutdruckabfall als Reaktion auf den durch die Blutspende erlittenen Blutverlust kann aber akut zu einem Sauerstoffmangel am Herzmuskel führen und ggf. einen neuen Infarkt auslösen. Auch ein epileptischer Anfall kann durch eine Blutspende ausgelöst werden, wenn der Spender ein entsprechendes Risiko hat.

Diese Fragen dienen also in allererster Linie der Erkennung von Risiken für den Spender, weniger für den Empfänger. In Ihrem eigenen Interesse sollten Sie diese Fragen unbedingt wahrheitsgemäß beantworten, denn auch Ihre Gesundheit liegt uns am Herzen!

 

6. • Ist Ihnen schon einmal gesagt worden, dass Sie kein Blut spenden dürfen?

(eine Bejahung dieser Frage zieht nicht zwingend eine Rückstellung von der Spende nach sich)

Hat es bei einer früheren Blutentnahme / Blutspende Komplikationen gegeben?

(eine Bejahung dieser Frage zieht nicht zwingend eine Rückstellung von der Spende nach sich)

Spenden Sie auch in anderen Blutspende-Einrichtungen?

(eine Bejahung dieser Frage zieht nicht zwingend eine Rückstellung von der Spende nach sich)

Diese Fragen zielen darauf ab, in Erfahrung zu bringen, ob es früher bereits Gründe gegeben hat, wegen derer der Spender zurückgestellt werden musste. Die Frage nach der Spende bei anderen Blutspende-Einrichtungen soll sicherstellen, dass Blutspender die notwendigen Wartezeiten zwischen den einzelnen Blutspenden einhalten. Es kommt leider immer wieder vor, dass Blutspender aus fehlgeleitetem Enthusiasmus innerhalb kürzester Zeit in verschiedenen Einrichtungen spenden und ihre eigene Gesundheit gefährden.

 

7. Konsumieren Sie Rauschmittel oder Medikamente missbräuchlich?

(hier erfolgt eine Prüfung durch den Arzt, ob Ihre Angaben eine Blutspende ausschließen oder ob sie möglich ist)

Das missbräuchliche Konsumieren von Rauschmitteln oder Medikamenten kann einen Ausschlussgrund für die Blutspende darstellen. Generell sollen Blutspender vor der Spende keinen Alkohol getrunken oder andere Drogen konsumiert haben.
Die Einnahme von Medikamenten kann zudem Einfluss auf die Eigenschaften des Blutes nehmen oder zu Komplikationen bei der Entnahme führen. Alle Angaben, die Sie beim Arzt machen unterliegen jedoch der Schweigepflicht und werden nur zwischen Ihnen und dem Arzt diskutiert.

 

8. Werden Sie in den nächsten 12 Stunden Tätigkeiten in Beruf oder Hobby ausüben, die Sie oder andere gefährden könnten (z. B. Personenbeförderung, Tätigkeit mit Absturzgefahr oder erheblicher körperlicher Belastung)?

(hier erfolgt eine Prüfung durch den Arzt, ob Ihre Angaben eine Blutspende ausschließen oder ob sie möglich ist)

Nach einer Blutspende können sich Spender schwach fühlen und möglicherweise für einen begrenzten Zeitraum nicht die gewohnte körperliche Leitungsfähigkeit erbringen. Oft unterschätzen Blutspender auch ihr eigenes Befinden nach der Spende. Die meisten Tätigkeiten des Alltags lassen sich jedoch problemlos erledigen. Diese Frage richtet sich deshalb eher an Menschen, die im Beruf Personen befördern, schwere Maschinen bedienen oder Extremsportarten ausführen wollen. Für Freizeitsportler gilt: Am Tag / Abend nach der Blutspende möglichst keine sportliche Betätigung „bis an die Grenze“ oder gar Wettkämpfe!

 

9. Nur für Frauen:

Sind Sie schwanger oder stillen Sie?

(in solchen Fällen ist immer eine Rückstellung von der Spende notwendig!)

Waren Sie jemals schwanger?

Wenn ja, wann zuletzt?

(Diese Angaben benötigen wir, um entscheiden zu können, ob ggf. weiterführende Laboruntersuchungen notwendig sind. Eine Blutspende ist aber im Allgemeinen problemlos  möglich)

Wenn Sie schwanger sind, brauchen Sie und Ihr Kind das Blut nötiger als jeder andere! Und auch während der Stillzeit sind die Reaktionen des Organismus auf plötzlichen Blutverlust unvorhersehbar. Die Frage nach früheren Schwangerschaften und dem Datum der letzten Schwangerschaft ermöglicht es dem Blutspendedienst, spezielle Laboruntersuchungen aus dem gespendeten Blut vorzunehmen, die der Sicherheit des Transfusionsempfängers dienen (Ausschluss von Antikörpern, die durch eine Schwangerschaft entstanden sein können und nicht der Frau, wohl aber dem Transfusionsempfänger schaden können).

 

10. Wurde bei Ihnen jemals

eine Leberentzündung („Gelbsucht“), z. B. Hepatitis A, Hepatitis B oder Hepatitis C festgestellt?

(hier erfolgt eine Prüfung durch den Arzt, ob Ihre Angaben eine Blutspende ausschließen oder ob sie möglich ist)

eine Infektion mit HIV (AIDS) oder HTLV nachgewiesen?

(in solchen Fällen ist immer eine Rückstellung von der Spende notwendig!)

Solche Infektionskrankheiten können durch Blut übertragen werden, daher kommt eine Blutspende leider nicht in Frage.

 

11. • Hatten Sie in den letzten 4 Monaten eine Akupunktur?

(Falls ja ist eine Blutspende bis zum Ablauf der genannte Frist nicht möglich)

Haben Sie sich in den letzten 4 Monaten tätowieren lassen oder einer anderen

Maßnahme unterzogen, die Haut oder Schleimhaut verletzt wie Ohrlochstechen, Piercing, Implantationen, Cutting, Branding, permanentes Makeup?

(Falls ja ist eine Blutspende bis zum Ablauf der genannte Frist nicht möglich)

Manche dieser Maßnahmen gehen leider mit einem gewissen Infektionsrisiko einher z. B. durch unzureichend sterilisiertes Material. Besonders die infektiöse Gelbsucht (Hepatitis) kann so übertragen werden. Zwar ist dies nicht sehr häufig, aber sicher ist sicher. Eine Dauersperre ist nicht erforderlich, aber ein zeitlicher Abstand von vier Monaten, damit eine eventuelle Infektion im Labor auch sicher erkannt werden kann, muss eingehalten werden (siehe hierzu auch die Erläuterungen zu Frage 16).

 

12. Haben Sie in den letzten 4 Monaten mit einer Person in einem Haushalt gelebt, bei der eine Leberentzündung (Hepatitis) festgestellt wurde?

(hier erfolgt eine Prüfung durch den Arzt, ob Ihre Angaben eine Blutspende ausschließen oder ob sie möglich ist)

Wenn Sie diese Frage mit „ja“ beantworten, schließt Sie das nicht grundsätzlich von der Spende aus. Der Arzt vor Ort wird jedoch nach Einzelheiten fragen, um mögliche Infektionsrisiken besser erkennen zu können.

 

13. Sind Sie in den letzten 4 Monaten in Berührung mit Blut einer anderen Person gekommen, z. B. über die Schleimhaut (auch Auge) oder durch eine Verletzung mit einem Instrument (z. B. Injektionsnadel)?

(Falls ja ist eine Blutspende bis zum Ablauf der genannte Frist nicht möglich)

Siehe hierzu auch die Erläuterungen zu Frage 11.

 

14. Haben Sie innerhalb der letzten 2 Jahre Blutübertragungen (rote Blutkörperchen, Blutplättchen, Blutplasma – auch Eigenblut) erhalten?

(Falls Sie eine Fremdbluttransfusion innerhalb der letzten 4 Monate erhalten haben, ist eine Blutspende leider nicht möglich, nach Ablauf dieser Zeit hingegen schon)

Wenn Sie Blutübertragungen bekommen haben, ist es nicht auszuschließen, dass Sie Antikörper gegen Blutgruppeneigenschaften des Spenders entwickelt haben. Das schadet Ihnen zwar nicht, muss aber bei der Übertragung von Blut berücksichtigt werden, daher wird in solchen Fällen eine spezielle Diagnostik im Labor veranlasst.

 

15. Hatten Sie in den letzten 4 Monaten eine Operation, eine Gewebetransplantation, eine Endoskopie (z. B. Magen-, Blasen-, Darm- oder Gelenkspiegelung), eine Katheteranwendung oder wurde Ihnen Gewebe entnommen (Biopsie)?

(hier erfolgt eine Prüfung durch den Arzt, ob Ihre Angaben eine Blutspende ausschließen oder ob sie möglich ist)

Eine Sammelfrage ähnlich wie unter Frage 4. Manche Operationen weisen auf Grundkrankheiten hin, mit denen eine Spende aus Gründen des Spenderschutzes nicht vereinbar ist. Manche Eingriffe hingegen können Infektionsrisiken bergen ähnlich der Akupunktur oder der Tätowierung, können also auch ein Risiko für den Transfusionsempfänger bergen. Eine Gewebeentnahme kann auf eine Tumorerkrankung hinweisen. Auch in solchen Fällen ist eine Spende bis zum Ausschluss einer bösartigen Erkrankung nicht möglich.

 

Über den Sexualverkehr können Infektionen, wie z. B. HIV oder Hepatitis, übertragen werden. Direkt nach der Ansteckung mit HIV und / oder Hepatitis kann ein Spender ohne es zu wissen infiziert sein und durch sein Blut den Empfänger der Spende anstecken. Leider können Labortests eine Infektion zum Teil erst bis zu 4 Monate nach der Ansteckung nachweisen. Daher schützen Sie mit Ihrer ehrlichen Antwort die Empfänger Ihrer Spende.

16. Hatten Sie in den letzten 4 Monaten Sexualverkehr

mit einer neuen Partnerin / einem neuen Partner?

(hier erfolgt eine Prüfung durch den Arzt, ob Ihre Angaben eine Blutspende ausschließen oder ob sie möglich ist)

mit einer Person, die eine schwere Infektionskrankheit (z. B. AIDS oder Hepatitis) hat oder haben könnte?

(hier erfolgt eine Prüfung durch den Arzt, ob Ihre Angaben eine Blutspende ausschließen oder ob sie möglich ist)

für den Sie Geld oder andere Leistungen (Unterkunft, Drogen) bezahlt haben?

(Falls ja ist eine Blutspende bis zum Ablauf der genannte Frist nicht möglich)

Nur für Frauen: mit einem bisexuellen Mann? ja nein

(Falls ja ist eine Blutspende bis zum Ablauf der genannte Frist nicht möglich)

Haben Sie schon einmal Geld oder andere Leistungen (z. B. Drogen) für Sexualverkehr erhalten?

(Falls ja ist eine Blutspende bis zum Ablauf der genannte Frist nicht möglich)

Nur für Männer: Hatten Sie schon einmal Sexualverkehr mit einem anderen Mann?

(Falls ja ist eine Blutspende bis zum Ablauf von 12 Monaten nicht möglich)

Viele Menschen haben bei dieser Frage die erste Empfindung, dass solche intimen Details niemanden etwas angehen. Diese Einschätzung ist weit verbreitet, aber nicht zutreffend. Infektionskrankheiten wie AIDS oder Hepatitis werden vor allem durch Sexualkontakte übertragen und auch Blutspender können sich auf diesem Wege angesteckt haben. Manche Spender wissen gar nicht, wie sie selbst infiziert werden können oder welches die konkreten Risiken sind. Daher ist es unbedingt notwendig, im Rahmen der ärztlichen Spenderzulassung eventuelle Risiken klar und vor allem unmissverständlich anzusprechen. Sie können sicher sein, dass Ihre Angaben zu diesen Fragen mit dem höchstmöglichen Maß an Vertraulichkeit behandelt werden. Die Empfindung, solche Fragen habe es im alten Spenderfragebogen nicht gegeben ist dabei nicht zutreffend: Bereits in der früheren Version wurden Spender gefragt, ob sie zu einer der genannten Risikogruppen gehören. Da aber die wenigsten Menschen sich ehrlich einer Risikogruppe zuordnen würden, war es notwendig, die Fragen direkter und drastischer zu formulieren. Dass diese Fragen jetzt im Sinne der Zielsetzung von den Angesprochenen verstanden werden, zeigt, dass es notwendig war, diese Themen direkter und offener anzusprechen, als das bisher der Fall war. Die Blutspendeeinrichtungen in Deutschland sind sich bewusst, dass diese Fragen manchem Spender unangenehm sein können. Doch auch hier gilt das Motto "Sicher ist sicher". Natürlich werden alle Blutkonserven getestet, eine sehr frische Infektion kann aber in manchen Fällen erst einige Wochen nach der Infektion nachgewiesen werden. Daher ist es von größter Bedeutung, zusätzlich zur Testung, auch nach Risiken für sexuell übertragbare Infektionskrankheiten zu fragen. Bitte bedenken Sie: Rein rechnerisch wird jeder zweite Mensch im Laufe seines Lebens eine Bluttransfusion benötigen. Sollte dies bei Ihnen oder einem nahen Angehörigen der Fall sein, werden Sie zu Recht erwarten, dass der entsprechende Spender ebenso sorgfältig und unmissverständlich befragt wurde wie Sie als Spender.

 

17. Haben Sie schon einmal Drogen gespritzt oder geschnupft?

(hier erfolgt eine Prüfung durch den Arzt, ob Ihre Angaben eine Blutspende ausschließen oder ob sie möglich ist)

Drogenkonsum kann verschiedenste Hinweise geben. Intravenöser Drogenkonsum kann Infektionsrisiken bergen, andere Drogen können z. B. mit Persönlichkeitsveränderungen einhergehen. Eine Entscheidung über die Blutspende hängt letztlich davon ab, was, wann und wie konsumiert wurde und ob Wirkungen oder Auswirkungen erkennbar sind oder nicht. Die letzte Entscheidung trifft der Arzt vor Ort.


18. Waren Sie innerhalb der letzten 4 Monate in Haft?

(Falls ja ist eine Blutspende bis zum Ablauf der genannte Frist nicht möglich)

Bei Unterbringung in Sammelunterkünften wie Haftanstalten kann das Risiko für den Erwerb von durch Blut übertragbaren Infektionskrankheiten erhöht sein. Daher gilt in solchen Fällen eine Rückstellungsfrist von vier Monaten nach Haftentlassung (siehe auch Frage 11).

 

19. Haben Sie in den letzten 4 Monaten Spritzen erhalten, die nicht vom Arzt verschrieben wurden (z. B. Muskelaufbaupräparate)?

(hier erfolgt eine Prüfung durch den Arzt, ob Ihre Angaben eine Blutspende ausschließen oder ob sie möglich ist) 

Die Verwendung von Spritzen, die nicht vom Arzt verschrieben wurden, ist missbräuchlich. Da solche Präparate (vor allem Muskelaufbaupräparate) häufig aus dubiosen Quellen stammen, ist deren Qualität und damit die Auswirkung auf den Gesundheitszustand dessen, der sie einnimmt, nicht sicher zu beurteilen. Hier spielt der Spenderschutz eine ebenso große Rolle wie der Schutz des Patienten!

 

20. • Haben Sie jemals Frischzellen, bzw. Gewebe (Transplantate) oder Gewebeextrakte von Tieren erhalten?

(hier erfolgt eine Prüfung durch den Arzt, ob Ihre Angaben eine Blutspende ausschließen oder ob sie möglich ist)

Sind Sie in den letzten 12 Monaten nach Tierkontakt gegen Tollwut geimpft worden?

(hier erfolgt eine Prüfung durch den Arzt, ob Ihre Angaben eine Blutspende ausschließen oder ob sie möglich ist)

Erhielten Sie in den letzten 12 Monaten tierisches Serum (z. B. gegen Schlangenbisse)?

(hier erfolgt eine Prüfung durch den Arzt, ob Ihre Angaben eine Blutspende ausschließen oder ob sie möglich ist)

Bei dieser Frage gilt es zu erkennen, ob mit dem verwendeten Präparat spezielle Infektionsrisiken einhergehen.

 

21. • Sind Sie außerhalb Europas geboren?

(hier erfolgt eine Prüfung durch den Arzt, ob Ihre Angaben eine Blutspende ausschließen oder ob sie möglich ist)

Haben Sie jemals länger als 6 Monate außerhalb Europas gelebt? Wenn ja, wo? Wann?

(hier erfolgt eine Prüfung durch den Arzt, ob Ihre Angaben eine Blutspende ausschließen oder ob sie möglich ist)

Waren Sie in den letzten 6 Monaten, auch kurzfristig, im Ausland?

(hier erfolgt eine Prüfung durch den Arzt, ob Ihre Angaben eine Blutspende ausschließen oder ob sie möglich ist)

Ein sehr komplexe Frage, deren Bewertung einer sorgfältigen Prüfung bedarf. Hintergrund für die Frage ist, dass manche Infektionskrankheiten in bestimmten Regionen der Welt häufiger auftreten als in anderen. Ist z. B. jemand in einem Land aufgewachsen, in dem die Malaria vorkommt, muss vor einer Zulassung geprüft werden, ob eine Malariainfektion sicher ausgeschlossen werden kann, denn auch eine Malaria kann durch Blut übertragen werden. Aber auch manche Tropenkrankheiten erreichen zunehmend beliebte Ferienregionen der mitteleuropäischen Bevölkerung. So kommt z. B. seit einigen Jahren das sogenannte West Nil-Virus in manchen Urlaubsregionen Süd- und Südosteuropas vor. Über die jeweils notwendige Rückstellungsdauer informiert Sie der Arzt vor Ort.

 

22. Wurde bei Ihnen jemals eine Malaria festgestellt?

(hier erfolgt eine Prüfung durch den Arzt, ob Ihre Angaben eine Blutspende ausschließen oder ob sie möglich ist)

Siehe Antwort zu Frage 21.

 

23. Haben oder hatten Sie eine Tuberkulose, Osteomyelitis, Syphilis, Rheumatisches Fieber, Toxoplasmose, Salmonelleninfektion (Typhus- oder Paratyphus), Q-Fieber?

(hier erfolgt eine Prüfung durch den Arzt, ob Ihre Angaben eine Blutspende ausschließen oder ob sie möglich ist)

Siehe Antwort zu Frage 21.

 

24. Wurde bei Ihnen jemals eine der folgenden seltenen Erkrankungen festgestellt: Chagas-Krankheit (Trypanosomiasis), Brucellose, Babesiose, Leishmaniose, Lepra, Melioidose, Rückfallfieber, Hasenpest (Tularämie), Fleckfieber oder andere Rickettsiosen?

(hier erfolgt eine Prüfung durch den Arzt, ob Ihre Angaben eine Blutspende ausschließen oder ob sie möglich ist)

Siehe Antwort zu Frage 21.

 

25. Haben Sie innerhalb der letzten 4 Wochen Tabletten o. a. Medikamente eingenommen, wie z. B. Antibiotika, Schmerzmittel (auch Aspirin, ASS), Mittel gegen Bluthochdruck oder andere?

(hier erfolgt eine Prüfung durch den Arzt, ob Ihre Angaben eine Blutspende ausschließen oder ob sie möglich ist)

Bei Arzneimitteleinnahme muss immer geprüft werden, ob a) die Erkrankung selbst, der die Einnahme zugrunde liegt, eine Gefährdung für Spender oder Empfänger darstellt oder b) das Arzneimittel oder dessen Abbauprodukte ausgelöst durch eine Blutspende schädliche Nebenwirkungen beim Blutspender hervorrufen oder unerwünschte Wirkungen auf den Transfusionsempfänger ausüben kann.

Beispiele:

• Die Einnahme eines Antibiotikums weist darauf hin, dass der Spendewillige vor kurzer Zeit einen bakteriellen Infekt gehabt hat (Empfängerschutz!)

• Die Einnahme bestimmter Herzmedikamente weist darauf hin, dass der Spendewillige durch einen Blutdruckabfall anlässlich einer Blutspende ggf. Schaden nehmen könnte (Spenderschutz!)

• Manche Medikamente z. B. gegen Akne oder Haarausfall können Missbildungen bei Ungeborenen auslösen, wenn z. B. eine Schwangere mit der betreffenden Blutspende versorgt werden muss.

 

26. Haben Sie jemals Tabletten zur Behandlung von Schuppenflechte oder schwerer Akne eingenommen (z. B. Tigason®, Neo-Tigason®, Roaccutan®)?

(hier erfolgt eine Prüfung durch den Arzt, ob Ihre Angaben eine Blutspende ausschließen oder ob sie möglich ist)

Siehe Antwort zu Frage 25.

 

27. Wurden Sie in den letzten 4 Wochen geimpft?

(hier erfolgt eine Prüfung durch den Arzt, ob Ihre Angaben eine Blutspende ausschließen oder ob sie möglich ist)

Unterschiedliche Impfungen ziehen unterschiedliche Rückstellungsfristen nach sich. Manche Impfungen (z. B. Gelbfieber) sind sog. „Lebendimpfstoffe“. Rückstände des Impfstoffs können Patienten mit unzureichender Immunabwehr durchaus schaden. Andere Impfungen wie z. B. die Grippeimpfung wiederum sind „Totimpfstoffe“, die keiner Einschränkung unterliegen.

 

28. Wurde bei Ihnen oder einem Ihrer Blutsverwandten die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit oder eine ähnliche Erkrankung festgestellt oder bestand jemals ein Verdacht auf eine dieser Erkrankungen?

(hier erfolgt eine Prüfung durch den Arzt, ob Ihre Angaben eine Blutspende ausschließen oder ob sie möglich ist)

Bei manchen seltenen Erkrankungen kann die Wissenschaft bis heute nicht mit Bestimmtheit ausschließen, dass sie durch Blut von Mensch zu Mensch übertragbar sind. Sicher ist sicher!

 

29. • Wurden Sie vor 1993 mit Hormonen der Hirnanhangdrüse, z. B. wegen Wachstumsstörungen, Unfruchtbarkeit, Endometriose behandelt?

Haben Sie jemals Hornhaut -, Hirnhaut - oder andere Transplantate erhalten?

(hier erfolgt eine Prüfung durch den Arzt, ob Ihre Angaben eine Blutspende ausschließen oder ob sie möglich ist)

Das unter Frage 28 Gesagte gilt auch für die hier genannten Medikamente / Transplantate.

 

30.

Haben Sie sich in der Zeit zwischen dem 01.01.1980 und 31.12.1996 insgesamt länger als 6 Monate im Vereinigten Königreich Großbritannien und Nordirland aufgehalten?

Sind Sie im Vereinigten Königreich Großbritannien und Nordirland nach dem 01.01.1980 operiert worden oder haben Sie dort eine Blutübertragung (rote Blutkörperchen, Blutplättchen, Blutplasma) erhalten?

(Falls ja ist eine Blutspende leider nicht möglich)

Das unter Frage 28 Gesagte gilt auch für Aufenthalte / Operationen / Transfusionen im Vereinigten Königreich in der genannten Zeit.

 

BILDER ZUM BEITRAG

KOMMENTARE ZUM BEITRAG

Manfred Huppertz 05.02.2018, 12:25 Uhr

Bei diesem neuen Fragen im Fragebogen, brauchen Sie sich nicht zu wundern, dass die, die Sie herausfiltern wollen, falsche Angaben machen und viele Andere Blutspender nicht mehr zur Blutspende gehen. Ich werde auch nicht mehr Blut spenden gehen, solange solche Fragebögen ausgefüllt werden müssen. Aber das ist ja nicht weiter schlimm, es gibt ja genug Spender.

BSD West 01.02.2018, 15:04 Uhr

Sehr geehrter Herr Schneider,
 
vielen Dank für Ihren Kommentar. Das bei den Blutspenden eingesetzte ärztliche Personal ist geschult im Umgang mit Blutspendern und verfügt meist über jahrelange Erfahrung mit Patientinnen und Patienten. Dass bei der ärztlichen Untersuchungen Missverständnisse entstehen, oder die beteiligten Parteien (Arzt und Spender) sich "nicht verstehen", oder unterschiedliche Erwartungen an das Gespräch haben, ist dabei leider nicht immer auszuschließen. Grundsätzlich sollen sich unsere Blutspender bei der Spende so wohl wie möglich fühlen. Dazu gehören auch die Umgangsformen jedes in den Prozess involvierten Mitarbeiters. Wir nehmen Ihren Hinweis gerne an, bitte bedenken Sie aber auch, das interpersonale Kontakte generell ein nicht leicht zu bewertendes Thema sind.
 
(Zur Information: Bitte beachten Sie, dass wir aus Gründen des Persönlichkeitsrechts und Mitarbeiterschutzes keinerlei personenbezogene oder personenbeziehende Informationen auf den von uns moderierten Kommunikationskanälen erlauben können. Wir haben daher den Hinweis auf den Spendeort in Ihrem Kommentar anonymisiert.)
 
Beste Grüße
BSD West

Schneider Dieter 01.02.2018, 12:33 Uhr

Sehr geehrte Damen und Herren, zum Fragebogen wurde bereits genug geschrieben. Ich war gestern in XXXXXX beim Blut spenden und habe folgenden Eindruck gewonnen. Die allgemeine Stimmung unter den Spendern ist sehr gereizt. Was ich öfter gehört habe ist, daß die Begutachtung durch das ärzliche Personal z.T. sehr unpersönlich -arrogant- abläuft. Eine Spenderin erzählte daß ihre Tochter nach dem Gespräch nicht mehr spenden geht. Sicherlich ist es wichtig, daß genügend getrunken wird, aber die Art wie auf die gewünschte Menge verwiesen wird ist fraglich. Die meisten können diese vorgegebenen Mengen nicht trinken und sagen bei der Frage "Ja". Ich bewundere immer wieder die ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen des DRK, die sich den Frust anhören müssen und trotzdem immer freundlich bleiben. Vielleicht können sich so manche Ärzte hier ein Beispiel nehmen. Mit freundlichen Grüßen Dieter Schneider

BSD West 31.01.2018, 13:10 Uhr

Sehr geehrter B.,
wir bedauern, dass unsere Antwort auf Ihren ausführlichen Kommentar Sie offenbar nicht zufrieden gestellt hat und bedanken uns erneut für Ihren und den Einsatz Ihrer Frau bei über 75 Blutspenden, sowie die Zeit und Energie, die Sie in Ihre Kritik investieren. Gerne wollen wir ausführlich auf Ihren ursprünglichen Kommentar antworten, in der Hoffnung, dass die Antworten für Sie zufriedenstellender ausfallen.
 
"Auch wir, meine Frau und ich (über 75 Spenden!) werden bis auf weiteres nicht mehr zur DRK-Blutspende gehen, denn der neue Fragebogen ist inakzeptabel. Nicht nur, aber insbesondere wegen der neuen Fragen zu unserem Sexualverhalten. Auch der alte Fragebogen war schon grenzwertig, aber aus Überzeugung Pro Blutspende für uns noch gerade hinnehmbar. Und dies völlig unabhängig davon, wie wir selbst mit dem sensiblen Thema "Sexualverhalten" umgehen oder in welcher Weise wir von den Fragen betroffen sind."
 
75 Blutspenden sind eine Menge! Wir können uns an dieser Stelle nur erneut bedanken und darauf hinweisen, dass es Menschen wie Sie benötigt, die mit ihrem Engagement dazu beitragen, Leben zu retten und die Versorgung des Deutschen Gesundheitssystems mit Spenderblut sicherstellen.
 
"Es geht absolut NIEMANDEN etwas an, wie oft oder mit welchen Menschen wir Sex haben. Und die Suggestion, dass Sex unter Männern oder Sex mit Prostituierten grundsätzlich gefährlicher sei, als beispielsweise unter verheirateten Heteros, ist völlig weltfremd und weit weg von den Realitäten. Tatsächlich haben Millionen von Menschen in Deutschland Sex außerhalb der eigenen Zweierbeziehung und somit außerhalb der von Staat und Kirche gewünschten Norm. Und das ist gut so, denn Sex dient eben NICHT nur der Fortpflanzung, sondern macht in großer Vielfalt sehr viel Spaß!!!"
 
Sie haben völlig recht, die sexuelle Orientierung eines Menschen geht niemanden etwas an, mit dem die betroffene Person sie nicht freiwillig teilt. Auch dient Sexualität nicht allein der Fortpflanzung und es ist jedem Menschen freigestellt, seine Sexualität nach seinen persönlichen Neigungen auszuleben, sofern er damit nicht die Grenzen und persönlichen Freiheiten anderer verletzt. Im Falle der Blutspende interessiert auch nich die sexuelle Neigung eines Blutspenders, sondern die Frage, ob sich sich aus konkretem Verhalten Sicherheitsrisiken für den Empfänger einer Blutspende ergeben könnten. Spender- und Empfängerschutz sind seit jeher die obersten Richtlinien bei der Entscheidung, ob ein Spender zur Blutspende zugelassen werden. Unabhängig von der Formulierung der Frage ist es deshalb die Pflicht jedes Blutspendedienstes, ein größtmögliches Maß an Sicherheit zu gewährleisten und frühzeitig etwaige Risikos zu identifizieren. Was Sie in Ihrem Kommentar als "Suggestion" bezeichnen beschreibt dabei anhand statistischer Daten identifizierte Personengruppen mit vergleichsweise höherem Risiko für durch Sexualverkehr (und später durch Blut) übertragbare Infektionskrankheiten . Auch wenn Sie diese als "weltfremd" und "weit weg von der Realität" empfinden, handelt es sich dabei um eine Maßnahme, die dem Empfängerschutz dient. Den kranken Patienten geht es am Ende sehr wohl etwas an, ob die Blutspendedienste alles getan haben, um sein Recht auf körperliche Unversehrtheit zu gewährleisten.
 
"Verantwortungsvolles, achtsames und rücksichtsvolles Verhalten beim Geschlechtsverkehr ist es, worauf es ankommt! Hierzu gehört für uns ganz klar die Regel, dass es unter Menschen, die sich nicht wirklich gut und lange genug kennen, keinen ungeschützten Geschlechtsverkehr geben sollte. "
 
Dies ist eine sehr vernünftige und lobenswerte Einstellung.
 
"Für mich persönlich (und das darf jeder gerne anders sehen) ist ein homosexueller Mensch, der jeden Monat 20 verschiedene Sexualpartner hat, beim Sex aber penibel auf Schutz (Kondom) achtet und sich regelmäßig testen lässt, ein erheblich kleinerer Risikofaktor als ein Mensch, der nur ein einziges Mal fremdgeht und dabei ungeschützten Geschlechtsverkehr hat. Diese Differenzierung deckt der Fragebogen m. E. nach überhaupt nicht ab!"
 
Die Schlussfolgerung daraus ist, alle Menschen, die jemals ungeschützten Geschlechtsverkehr hatten als Risikogruppe zu begreifen und in einem Fragebogen explizit danach zu fragen. Wir nehmen diesen Vorschlag gerne mit auf und leiten ihn weiter. Allerdings ist zu bedenken, dass jeder Sexualkontakt grundsätzlich ein Risiko für die Ansteckung mit einer übertragbaren Krankheit beinhält, selbst wenn diese durch den Einsatz von Schutzmaßnahmen minimiert wird. Rein statistisch steigt also die Gefahr einer Ansteckung mit der Anzahl der Sexualkontakte. Bitte bedenken Sie folgendes: Die Fragen im Fragebogen dienen lediglich der Orientierung und müssen ggf. im weiteren vertraulichen Arztgespräch adressiert werden. Hier wird es natürlich kaum je möglich sein, eine umfassende Sexualanamnese in jedem Einzelfall durchzuführen, geschweige denn, hierauf basierend eindeutige Entscheidungen zu treffen. Die Schwierigkeit wird schon allein dadurch deutlich, dass es keine klaren Definitionen für z. B. "Sexualverkehr" oder z. B. "häufig wechselnder Geschlechtsverkehr" gibt.
 
"Meiner Meinung nach haben sowohl der alte, als auch der neue Fragebogen einen grundsätzlichen Mangel. Nämlich den der falschen Art und Weise, wie Informationen erlangt werden sollen. Die Betonung liegt auf „sollen“, denn tatsächlich bringen die Fragebögen niemandem Klarheit. Klarheit wird erst gewonnen, wenn die Frage- / Infobögen ihrerseits klar und eindeutig sind. Das heißt, sie müssten sprachlich von Menschen formuliert werden, die nichts von Blut und DRK verstehen, dafür aber mehr von Rhetorik und Kommunikation. Die Motive und Begründungen, warum das DRK die Fragen neu formuliert und ausgeweitet hat, sind absolut nachvollziehbar und richtig. Aber sie sind nicht zielführend! Weiterhin differenzieren die Fragen nicht klar und nicht eindeutig genug, wie ich oben anhand der Beispiele beschrieben habe. Außerdem geben sie keine wirklich messbaren Kriterien vor, die zu einer echten Standortbestimmung für den Spender führen könnten und diesem somit auch keine wirkliche Hilfe. Zum Beispiel müsste m.E. nach dringendst zwischen geschütztem und ungeschütztem Sex differenziert werden, denn damit werden viele andere Fragen, welche eindeutig in unsere Persönlichkeitsrechte eingreifen, schlicht überflüssig!"
 
Das Ziel des überarbeiteten Fragebogens ist es, Fragen direkter zu formulieren und damit auch Spender direkter anzusprechen. Ihr Kommentar kann also indirekt als "Erfolg" des Fragebogens gewertet werden, da Sie sich augenscheinlich sehr ausführlich damit befasst haben. In der Tat sind die direkter formulierten Fragen ein Ergebnis intensiver Beschäftigung mit der Art und Weise, wie die Fragen gestellt werden sollen, um die Spender auf ihren Inhalt aufmerksam zu machen. Klarheit liefert der Fragebogen dadurch, dass es schwerer fällt, die Fragen zu "überfliegen" oder ihren Inhalt zu ignorieren, bzw. misszuverstehen. Grundsätzlich ist der Fragebogen ein Instrument, das dem Arzt vor Ort bei der Blutspende dient, mögliche Risikopotenziale einzuschätzen. Am Ende beruht eine Entscheidung nicht auf der Qualität der Antwort im Fragebogen, sondern aus der Summe der Antworten und deren individueller Bewertung im vertraulichen Arztgespräch. Der obenstehenden kommentierten Version des Fragebogens haben wir erklärende Hinweise hinzugefügt, welche mögliche Auswirkungen auf die Spendefähigkeit die Beantwortung der Fragen haben können.
 
"Im Grunde ist die Lösung des Problems ganz einfach: Fachkundige Mediziner und die Verantwortlichen des DRK müssten sich unter Einbeziehung eines Sprachwissenschaftlers einfach nur mal in Ruhe zusammensetzen und KLAR und MESSBAR definieren, welche Bedingungen ein Mensch zu erfüllen hat, wenn er ein (möglichst) risikofreier Blutspender sein will / soll. Daher meine Empfehlung: Bekennen Sie Farbe und beziehen Sie klare Positionen! Sagen Sie deutlich und unmissverständlich, wen Sie als Blutspender wollen und wen nicht!"
 
Grundsätzlich möchten wir gerne alle Menschen als Blutspender, sofern es nicht medizinische Kriterien gibt, die sie aus Spender- oder Empfängerschutz gründen für eine Blutspende untauglich machen. Dabei muss man klar zwischen einem generellen Ausschlus und einer Rückstellung unterscheiden. Beides wird in den Richtlinien zur Hämotherapie der Bundesärztekammer definiert, die Sie über folgenden Link abrufen können: http://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/pdf-Ordner/MuE/Richtlinie_Haemotherapie_2017.pdf Wir verzichten an dieser Stelle darauf, die ausführlichen Kriterien zu zitieren, nehmen aber gerne die Anregung auf, die Ausschluss- und Rückstellungskriterien deutlicher zu kommunizieren. Auch hier sei noch mal auf die hinzugefügten erklärende Hinweise zu den Auswirkungen auf die Spendefähigkeit bei Beantwortung der Fragen hingewiesen, um die wir die kommentierte Version des Fragebogens ergänzt haben. An dieser Stelle möchten wir aber gerne nochmals darauf hinweisen, dass es sich bei dem Fragebogen nicht um einen des DRK handelt, sondern um das Ergebnis einer jahrelangen intensiven Diskussion zwischen Vertretern der wissenschaftlichen Fachgesellschaft, einem Universitätsinstitut für Psychologie sowie der Bundesärztekammer sowie Vertretern der Bundeaufsichtsbehörden.
"Wenn Sie Schwule und Lesben, Drogenkonsumenten und Prostituierte oder Menschen, welche zu diesen Personenkreisen sexuellen Kontakt haben (egal ob sie geschützten Verkehr haben oder nicht), grundsätzlich nicht als Blutspender haben wollen, dann sagen Sie das doch einfach offen und ehrlich. Und wenn Sie Menschen, die mit nur einem Sexualpartner nicht zufrieden sind und gerne mal „swingen“ auch nicht wollen, dann sagen Sie auch das! Wo ist da das Problem? Dies ist keine Diskriminierung, sondern das ist aufrichtig und tatsächlicher Schutz für die Empfänger von Blutspenden. Stattdessen formulieren Sie weiterhin völlig unscharf und machen den Arzt im Vorgespräch zum Richter, der in jedem Einzelfall entscheiden muss, ob jemand spenden darf oder nicht!"
 
Die von Ihnen genannten Personenkreise sind nicht kategorisch von der Blutspende ausgeschlossen (sofern bei ihnen keine konkreten Ausschlusskriterien vorliegen), sondern lediglich von der Spende zurückzustellen. FALSCH: Lesben und Drogenkonsumenten z. B. werden nicht zurückgestellt oder ausgeschlossen. Es kommt IMMER auf den Einzelfall an! Auch an dieser Stelle sei noch mal auf den Link zu den Richtlinie für Hämotherapie der Bundesärztekammer verwiesen (s.o.) und wir nehmen gerne den Hinweis auf, Ausschluss- und Rückstellungskriterien deutlicher zu kommunizieren.
 
"Und wird tatsächlich jeder Arzt entscheiden können, wer als Spender „safe“ ist? Wird er jeden Spender, der einen oder mehrere Punkte unter 16. mit „Ja“ beantwortet hat, nach seinem tatsächlichen Sexualverhalten befragen und das Risiko individuell bewerten? Oder wird jeder, der einen Punkt unter 16. ehrlich mit „Ja“ beantwortet, sofort und grundsätzlich nach Hause geschickt? Auf diese wichtigen Fragen konnte ich bisher nirgendwo eine klare Antwort finden."
 
Eine abschließende Beurteilung der Spendefähigkeit eines Spenders kann nur vom Arzt vor Ort beim Spendetermin getroffen werden. Grundsätzlich ist die Spendefähigkeit jedes Spenders als Einzelfall zu bewerten. Im Zweifelsfalle wird hier im Interesse des Patienten entschieden. Diese Frage zeigt die schier unauflösbare Problematik des Blutspendewesens, zwischen dem Recht auf körperliche Unversehrtheit des Transfusionsempfängers und dem der spendewilligen Person auf Wahrung seines Persönlichkeitsrechtes abzuwägen.
 
"Aber eines ist klar: Diejenigen Menschen, die den Fragebogen bisher nicht wahrheitsgemäß beantwortet haben und dies auch nicht wollen (z.B. weil sie spenden, um einen anonymen und kostenfreien Bluttest zu bekommen), werden dies auch weiterhin tun. Daran ändert auch der neue Fragebogen nichts.Aber vielleicht will in der Führungsetage des DRK ja auch niemand, dass weniger gelogen wird?"
 
Wir möchten noch mal darauf hinweisen, dass der Fragebogen unbedingt wahrheitsgemäß und nach bestem Wissen und Gewissen ausgefüllt werden muss, sowie in der Erklärung im Fragebogen festgehalten. Wenn Sie auf dem Fragebogen wissentlich Fragen unwahrheitsgemäß beantworten oder im Arztgespräch falsche Informationen weitergeben, kann es sein, dass Sie damit sich und mögliche Empfänger Ihrer Spende gefährden. Nicht nur die "Führungsetage des DRK" möchte also, dass Sie den Fragebogen unbedingt wahrheitsgemäß beantworten - auch die potenziellen Empfänger Ihrer Blutspende sind darauf angewiesen, dass Sie keine medizinisch relevanten Informationen im vertraulichen Arztgespräch vorenthalten. Wir können diesem Punkt nicht genügend Nachdruck verleihen!
 
"Und vielleicht ist der neue Fragebogen nur ein neues weißes Deckmäntelchen, welches mehr Schutz und größere Sicherheit vorgaukeln soll?"
 
Nein, der neue Spenderfragebogen zielt konkret darauf ab, die Sicherheit der Spender und Empfänger zu erhöhen. Wie bereits erwähnt: Dass Sie sich so intensiv mit den Fragen auseinandersetzen ist nicht nur lobenswert und vorbildlich, sondern zeigt auch, das der neue Fragebogen seiner Aufgabe gerecht wird. Sicherheit "vorzugaukeln" wäre dabei nicht zielführend.
 
"Schließlich lässt sich ja auch eine Blutkonserve, die nicht für die Transfusion freigegeben wird, noch recht gewinnbringend vermarkten, oder?"
 
Konserven, bei denen die Sicherheit nicht gewährleistet werden kann, dürfen weder transfundiert noch sonst irgendwie "gewinnbringend vermarktet" werden. Sicherheit ist wie erwähnt das oberste Gebot. Der Fragebogen kann auch als Instrument verstanden werden, die Zahl von Konserven, die sich nach der Spende als unsicher erweisen, zu reduzieren, indem im Vorfeld alle Unklarheiten beseitigt werden.
 
Wir hoffen damit Ihre Fragen zur Zufriedenheit beantwortet zu haben und bedanken uns für Ihr Engagement!
 
Beste GrüßeBSD West

BSD West 29.01.2018, 16:13 Uhr

Sehr geehrte D.M.,

wir haben Sie hiermit aus unserem Einladungsverteiler für die Blutspende entfernt. Wir bedanken uns für Ihr Engagement und die geleisteten Blutspenden!

Beste Grüße
BSD West

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